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<title>Osteoderm</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Osteoderm</span></h1>
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<p>Als <b>Osteoderme</b> (von <a href="Altgriechische_Sprache" title="Altgriechische Sprache">altgriechisch</a> <span lang="grc-Grek" class="Grek">ὀστέον</span> <i>ostéon</i> ‚Knochen‘ und <span lang="grc-Grek" class="Grek">δέρμα</span> <i>dérma</i> ‚Haut‘),<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> <b>Osteodermata</b> oder <b>Hautknochenplatten</b> werden bei <a href="Landwirbeltiere" title="Landwirbeltiere">Landwirbeltieren</a> innerhalb der <a href="Dermis" title="Dermis">Lederhaut</a> (Dermis) liegende und dort gebildete <a href="Knochen" title="Knochen">Knochen</a> bezeichnet. Diese sind meist plattig, seltener <a href="Kugelkalotte" class="mw-redirect" title="Kugelkalotte">kalottenförmig</a> oder stachelförmig zugespitzt. Osteoderme sind Teil des sogenannten <i>Dermalskeletts</i>, dem auch alle weiteren Knochen, an deren Bildung die Haut Anteil hat, zugerechnet werden, so unter anderem das <a href="Sch%C3%A4deldach" class="mw-redirect" title="Schädeldach">Schädeldach</a> und die <a href="Schl%C3%BCsselbein" title="Schlüsselbein">Schlüsselbeine</a>. Benachbart liegende Osteoderme können in Abhängigkeit von ihrer Funktion durch Gelenke und Bänder miteinander verbunden sein (wie bei <a href="Krokodile" title="Krokodile">Krokodilen</a> und ihren <a href="Crurotarsi" title="Crurotarsi">frühen Verwandten</a>) oder entlang ihrer Kanten miteinander verzahnt oder verwachsen sein (wie bei <a href="G%C3%BCrteltiere" title="Gürteltiere">Gürteltieren</a>). Auf diese Art und Weise können Osteoderme zusammenhängende <a href="Knochenpanzer" title="Knochenpanzer">Knochenpanzer</a> bilden.
</p><p>Osteoderme kommen bei heutigen <a href="Reptilien" title="Reptilien">Kriechtieren</a>, <a href="Amphibien" title="Amphibien">Amphibien</a> sowie bei den Gürteltieren als einziger <a href="S%C3%A4ugetiere" title="Säugetiere">Säugetiergruppe</a> vor. Sie sind in vielen miteinander nicht nah verwandten ausgestorbenen Gruppen nachgewiesen und waren bereits bei manchen frühen Landwirbeltieren des <a href="Karbon" title="Karbon">Karbons</a> (vor ca. 360 bis 300 Millionen Jahren) vorhanden. Entgegen den Gemeinsamkeiten im Aufbau ihrer <a href="Knochengewebe" title="Knochengewebe">Knochengewebe</a> weist das verstreute Auftreten der Osteoderme darauf hin, dass sie im Verlauf der <a href="Phylogenese" title="Phylogenese">Stammesgeschichte</a> vielfach unabhängig voneinander durch <a href="Konvergenz_(Biologie)" class="mw-redirect" title="Konvergenz (Biologie)">konvergente Evolution</a> entstanden sind und sich allenfalls eine bestimmte Veranlagung zur Bildung von Osteodermen auf einen gemeinsamen Vorfahren zurückführen lässt.
</p><p>Lage und Ausmaß der Körperbedeckung mit Osteodermen stehen mit ihrer Funktion in Zusammenhang: Neben der <a href="Panzerung" title="Panzerung">Panzerung</a> können Osteoderme Teil einer aktiven Abwehreinrichtung, zum Beispiel einer Schwanzkeule, sein, der Zurschaustellung dienen, einen Calcium-Vorrat für Zeiten erhöhten Calciumbedarfs bilden oder für die <a href="Thermoregulation" title="Thermoregulation">Regulierung des Wärmehaushalts</a> von Bedeutung sein. Bei Tieren, die im Wasser leben, können Osteoderme zur Erhöhung der Körperdichte beitragen. Reihen von Rückenosteodermen verhindern in vielen Fällen zu extreme Rumpfbewegungen und können auf diese Weise schädigende Belastungen, die bei der Fortbewegung an Land auftreten, von der <a href="Wirbels%C3%A4ule" title="Wirbelsäule">Wirbelsäule</a> fernhalten.
</p><p>Die wissenschaftliche Untersuchung der Osteoderme, unter anderem ihres Erscheinungsbildes (im Rahmen der <a href="Morphologie_(Biologie)" title="Morphologie (Biologie)">Morphologie</a>), ihrer Gewebestruktur (im Rahmen der Skelett-<a href="Histologie" title="Histologie">Histologie</a>) und ihrer Entwicklungsvorgänge (im Rahmen der <a href="Entwicklungsbiologie" title="Entwicklungsbiologie">Entwicklungsbiologie</a>), um daraus Schlussfolgerungen zur Funktion, Lebensweise und Stammesgeschichte ausgestorbener Tiere zu ziehen, ist gegenwärtig ein aktives Forschungsfeld der <a href="Pal%C3%A4obiologie" title="Paläobiologie">Paläobiologie</a>.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Abgrenzung_von_anderen_Skelettbestandteilen_der_Wirbeltiere">Abgrenzung von anderen Skelettbestandteilen der Wirbeltiere</h2></div>
<p>Osteoderme sind <a href="Knochen" title="Knochen">knöcherne</a> Bestandteile der <a href="Haut" title="Haut">Haut</a> von Landwirbeltieren, die das sogenannte <i>Dermalskelett</i> bilden – zusammen mit Knochen des Schädels und Schultergürtels, an deren Bildung die Haut beteiligt ist. Sie unterscheiden sich von den Skelettelementen in der Haut mancher Fische durch das Fehlen von <a href="Dentin" title="Dentin">Zahnbein</a> (Dentin), welches sich von Knochengewebe in seiner Zusammensetzung, Mikrostruktur und Art der Bildung unterscheidet.<sup id="cite_ref-francillon_2-0" class="reference"><a href="#cite_note-francillon-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-Vicka_Sire_3-0" class="reference"><a href="#cite_note-Vicka_Sire-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Oftmals werden verknöcherte <a href="Hautschuppen" class="mw-redirect" title="Hautschuppen">Hautschuppen</a>, die sowohl bei landwirbeltierähnlichen Fischen (der Gruppe der <a href="Fleischflosser" title="Fleischflosser">Fleischflosser</a>) als auch bei vielen urtümlichen Landwirbeltieren der Gruppe <a href="Temnospondyli" title="Temnospondyli">Temnospondyli</a> auftreten,<sup id="cite_ref-Witzmann_2007_4-0" class="reference"><a href="#cite_note-Witzmann_2007-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> als ein weiterer von Osteodermen zu unterscheidender Typ der Hautverknöcherung aufgefasst. Die Abgrenzung beruht darauf, dass verknöcherte Hautschuppen im Unterschied zu Osteodermen wiederkehrende, auch für unverknöcherte Hautschuppen typische Überlappungsmuster zeigen, keine Ornamentierung der Außenseite aufweisen und weiter außen in der Lederhaut nahe der Grenze zur <a href="Oberhaut" class="mw-redirect" title="Oberhaut">Oberhaut</a> (Epidermis) gebildet werden.<sup id="cite_ref-francillon_2-1" class="reference"><a href="#cite_note-francillon-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-castanet_2003_5-0" class="reference"><a href="#cite_note-castanet_2003-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> So gibt es unter den urtümlichen Landwirbeltieren manche, bei denen sowohl verknöcherte Schuppen als auch Osteoderme auftreten – manchmal übereinander liegend.<sup id="cite_ref-Witzmann_Soler_6-0" class="reference"><a href="#cite_note-Witzmann_Soler-6"><span class="cite-bracket">[</span>6<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Manche Autoren hingegen verweisen auf die Verschiedenheit der Osteoderme hinsichtlich ihrer Lage, Form, Oberflächenstruktur, Kompaktheit, Gewebestruktur und Ontogenese und fassen verknöcherte Hautschuppen als Teil des Spektrums an Landwirbeltier-Hautverknöcherungen auf, für welche sie zusammenfassend den Begriff „Osteoderm“ verwenden. Hautverknöcherungen der Fische – auch solche ohne jeden Dentin-Anteil – und die Hautschuppen der <a href="Schleichenlurche" title="Schleichenlurche">Blindwühlen</a>, die einen Dentin-Anteil aufweisen, definieren jedoch auch diese Autoren als nicht zu den Osteodermen gehörig.<sup id="cite_ref-Ruibal_Shoemaker_7-0" class="reference"><a href="#cite_note-Ruibal_Shoemaker-7"><span class="cite-bracket">[</span>7<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-Vicka_Sire_3-1" class="reference"><a href="#cite_note-Vicka_Sire-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Im Folgenden wird der Begriff Osteoderm im engeren Sinne, das heißt ohne Einbezug verknöcherter Landwirbeltier-Hautschuppen, verwendet.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Skeletogenese_und_Knochenmikrostruktur">Skeletogenese und Knochenmikrostruktur</h2></div>
<p>Die Bildung des <a href="Skelett" title="Skelett">Skeletts</a> im Verlauf der <a href="Ontogenese" title="Ontogenese">Entwicklung eines Individuums</a> vom <a href="Embryo" title="Embryo">Embryo</a> zum erwachsenen Tier bezeichnet man auch als <i>Skeletogenese</i>. Osteoderme und andere Dermalknochen unterscheiden sich in ihrer Skeletogenese von vielen Knochen des Wirbeltier-<a href="Endoskelett" title="Endoskelett">Innenskeletts</a> dahingehend, dass sie nicht als sogenannter <i>Ersatzknochen</i> aus einem Knochenvorläufer, der aus <a href="Knorpel" title="Knorpel">Knorpel</a> besteht, hervorgehen.<sup id="cite_ref-francillon_2-2" class="reference"><a href="#cite_note-francillon-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-Kardong_8-0" class="reference"><a href="#cite_note-Kardong-8"><span class="cite-bracket">[</span>8<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Die einzige Ausnahme stellten Osteoderme der ausgestorbenen Meeresreptiliengruppe <a href="Placodontia" title="Placodontia">Placodontia</a> dar, die Anteile von Knorpel aufwiesen.<sup id="cite_ref-Scheyer_2007_9-0" class="reference"><a href="#cite_note-Scheyer_2007-9"><span class="cite-bracket">[</span>9<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Die meisten Osteoderme sind entweder Produkt einer <i>(intra-)membranösen Verknöcherung</i> oder einer Umwandlung von Hautgewebe in Knochen, die man auch als <i><a href="Metaplasie" title="Metaplasie">metaplastische</a> Verknöcherung</i> bezeichnet, oder einer Kombination von beidem.<sup id="cite_ref-Vicka_Sire_3-2" class="reference"><a href="#cite_note-Vicka_Sire-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Intramembranöse_und_metaplastische_Verknöcherung"><span id="Intramembran.C3.B6se_und_metaplastische_Verkn.C3.B6cherung"></span>Intramembranöse und metaplastische Verknöcherung</h3></div>
<p>Bei der intramembranösen Verknöcherung bildet sich innerhalb der Dermis eine Verdichtung von <a href="Bindegewebe" title="Bindegewebe">Bindegewebszellen</a>, die <a href="Osteoid" title="Osteoid">Osteoid</a> abscheiden. Das Osteoid-Gewebe wird von knochenbildenden Zellen (<a href="Osteoblasten" class="mw-redirect" title="Osteoblasten">Osteoblasten</a>) und einer <a href="Knochenhaut" title="Knochenhaut">Knochenhaut</a> (Periosteum) umlagert. Diese wandeln das Osteoid in echtes Knochengewebe um und lagern ähnlich wie beim Wachstum des Innenskeletts kontinuierlich von innen nach außen neues Knochengewebe an.<sup id="cite_ref-Kardong_8-1" class="reference"><a href="#cite_note-Kardong-8"><span class="cite-bracket">[</span>8<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Meist besteht das Knochengewebe derart gebildeter Osteoderme aus parallelfaserigem Knochen oder Lamellenknochen. In diesen Knochengewebetypen sind die <a href="Kollagen" class="mw-redirect" title="Kollagen">Kollagen</a>-Fasern, an denen sich das <a href="Mineral" title="Mineral">Mineral</a> <a href="Hydroxylapatit" title="Hydroxylapatit">Hydroxylapatit</a> in Form feiner Kriställchen (<a href="Kristallit" title="Kristallit">Kristallite</a>) abscheidet, parallel zur Knochenoberfläche ausgerichtet.<sup id="cite_ref-francillon_2-3" class="reference"><a href="#cite_note-francillon-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Unterschiede im Wachstum bewirken Unterschiede in der Dichte, Zellstruktur und Faserausrichtung aufeinanderfolgender Lagen, die unter dem <a href="Lichtmikroskop" title="Lichtmikroskop">Lichtmikroskop</a> als Zonierung sichtbar sind.
</p><p>Osteodermgewebe, das aus der Umwandlung (<a href="Metaplasie" title="Metaplasie">Metaplasie</a>) von dichtem Hautgewebe hervorgegangen ist, fehlt diese Lagigkeit. Die metaplastische Verknöcherung führt zur Apatit-Mineralisierung von Bereichen der Lederhaut, ohne dass eine Knochenhaut vorliegt.<sup id="cite_ref-Haines_Mohuiddin_10-0" class="reference"><a href="#cite_note-Haines_Mohuiddin-10"><span class="cite-bracket">[</span>10<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Die oftmals in regelmäßiger Verflechtung angeordneten Bindegewebsfasern der Haut bleiben nach der Umwandlung als mineralisierte Strukturfasern im metaplastischen Knochen bestehen. Nach außen kann dieses Gewebe von Knochen, der durch eine Knochenhaut gebildet wurde, umlagert sein.<sup id="cite_ref-Main_2005_11-0" class="reference"><a href="#cite_note-Main_2005-11"><span class="cite-bracket">[</span>11<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Knochenumbau_und_Sharpey-Fasern">Knochenumbau und Sharpey-Fasern</h3></div>
<p>Oftmals findet im Verlauf der Entwicklung des Osteodermträgers ein innerer Umbau der Osteoderme vergleichbar dem Umbau anderer Knochen statt. Dabei wird zuerst gebildeter Knochen (Primärknochen) durch Knochenfresszellen (<a href="Osteoklast" title="Osteoklast">Osteoklasten</a>) aufgelöst und es entsteht eine schwammartige Mittelschicht, die der <a href="Spongiosa" class="mw-redirect" title="Spongiosa">Spongiosa</a> anderer Knochen gleicht und auch als <i>Diploë</i> bezeichnet wird. Hohlräume können wiederum mit neu gebildetem Knochen (Sekundärknochen) ausgekleidet sein. Die kompakteren Rindengewebe des Osteoderms, die die Mittelschicht umschließen, beinhalten oftmals senkrecht oder schräg zur Oberfläche einwachsende Fasern des angrenzenden Hautgewebes sowie von Muskeln oder <a href="Band_(Anatomie)" title="Band (Anatomie)">Bändern</a>, die als <a href="Sharpey-Faser" title="Sharpey-Faser">Sharpey-Fasern</a> bezeichnet werden.<sup id="cite_ref-francillon_2-4" class="reference"><a href="#cite_note-francillon-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Timing_der_Osteoderm-Bildung_im_Verlauf_der_Individualentwicklung">Timing der Osteoderm-Bildung im Verlauf der Individualentwicklung</h3></div>
<p>Das Einsetzen der Osteoderm-Skeletogenese im Verlauf der Individualentwicklung ist bei vielen Osteodermträgern gegenüber der Bildung des übrigen Skeletts verzögert: Bei manchen osteodermtragenden Arten der <a href="Froschlurche" title="Froschlurche">Froschlurche</a> weist das Fehlen von Osteodermen noch kurz nach der <a href="Metamorphose_(Zoologie)" title="Metamorphose (Zoologie)">Metamorphose</a> auf die späte Ausbildung dieser Hautverknöcherungen hin.<sup id="cite_ref-Ruibal_Shoemaker_7-1" class="reference"><a href="#cite_note-Ruibal_Shoemaker-7"><span class="cite-bracket">[</span>7<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-Vicka_Sire_3-3" class="reference"><a href="#cite_note-Vicka_Sire-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Beim <a href="Mississippi-Alligator" title="Mississippi-Alligator">Mississippi-Alligator</a> setzt die Osteoderme-Bildung deutlich später als die des übrigen Skeletts (einschließlich der Dermalknochen des Schädels, dessen Verknöcherung besonders früh beginnt) nach dem Schlüpfen der Jungtiere ein. Dabei nimmt die Verknöcherung des Panzers seinen Anfang bei den Osteodermen im Bereich der Halswirbel und setzt sich von dort aus nach und nach seitlich und schwanzwärts fort.<sup id="cite_ref-Vickaryous_Hall2008_12-0" class="reference"><a href="#cite_note-Vickaryous_Hall2008-12"><span class="cite-bracket">[</span>12<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Eine späte Bildung der Osteoderme im Verlauf der Individualentwicklung ist ebenfalls bei den <a href="Schuppenechsen" title="Schuppenechsen">Schuppenechsen</a> zu beobachten: Die perlenförmigen Osteoderme der <a href="Krustenechsen" title="Krustenechsen">Krustenechsen</a> gehören zu den Skelettelementen dieser Gruppe, deren Verknöcherung am spätesten erfolgt. Bei den <a href="Blindschleiche" title="Blindschleiche">Blindschleichen</a> weisen sogar halbwüchsige (subadulte) Individuen noch keine Anzeichen für Hautverknöcherungen auf (wie sie bei ausgewachsenen Tieren vorliegen).<sup id="cite_ref-zylberberg_castanet_13-0" class="reference"><a href="#cite_note-zylberberg_castanet-13"><span class="cite-bracket">[</span>13<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-Vicka_Sire_3-4" class="reference"><a href="#cite_note-Vicka_Sire-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Beim <a href="Neunbinden-G%C3%BCrteltier" title="Neunbinden-Gürteltier">Neunbinden-Gürteltier</a> beginnt die Skeletogenese der Osteoderme zwar später als die des restlichen Skeletts, jedoch bereits vor der Geburt im Verlauf der Embryogenese. Die Bildung der Osteoderme läuft asynchron ab, das heißt zeitlich versetzt von Panzersegment zu Panzersegment sowie innerhalb jedes Panzersegments. Meist beginnt die Verknöcherung der einzelnen Segmente am mittleren vorderen Ende und setzt sich (auf ähnliche Weise wie beim Alligator-Rückenschild) seitlich und schwanzwärts fort.<sup id="cite_ref-Vickaryous_Hall2006_14-0" class="reference"><a href="#cite_note-Vickaryous_Hall2006-14"><span class="cite-bracket">[</span>14<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Für ausgestorbene Gruppen osteodermtragender Tiere liegen nur manchmal Individuen unterschiedlicher Lebensalter und Entwicklungsstadien vor, so dass sich die Frage nach dem Timing der Osteoderm-Entwicklung nur selten so wie für die <a href="Stegosaurier" class="mw-redirect" title="Stegosaurier">Stegosaurier</a>-Osteoderme, deren Bildung und Wachstum wie bei heutigen Osteodermträgern deutlich verzögert ist,<sup id="cite_ref-Hayashi_2009_15-0" class="reference"><a href="#cite_note-Hayashi_2009-15"><span class="cite-bracket">[</span>15<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> beantworten lässt.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Vorkommen,_Ursprung_und_Evolution"><span id="Vorkommen.2C_Ursprung_und_Evolution"></span>Vorkommen, Ursprung und Evolution</h2></div>
<p>Osteoderme liegen bei Vertretern der heutigen <a href="Froschlurche" title="Froschlurche">Froschlurche</a>, <a href="Schildkr%C3%B6ten" title="Schildkröten">Schildkröten</a>, <a href="Echsen" title="Echsen">Echsen</a>, <a href="Krokodile" title="Krokodile">Krokodile</a> und <a href="G%C3%BCrteltiere" title="Gürteltiere">Gürteltiere</a> und somit in drei der vier konventionellen <a href="Klasse_(Biologie)" title="Klasse (Biologie)">Klassen</a> der Landwirbeltiere vor. Hinzu kommen zahlreiche Belege in vorzeitlich ausgestorbenen und nur durch <a href="Fossilien" class="mw-redirect" title="Fossilien">Fossilien</a> belegten Gruppen. Im folgenden <a href="Kladogramm" class="mw-redirect" title="Kladogramm">Verzweigungsdiagramm</a> sind die Verwandtschaftsverhältnisse der Landwirbeltiere vereinfacht dargestellt und, mit Ausnahme der wenig bekannten Reptiliengruppe Hupehsuchia,<sup id="cite_ref-Carroll_Dong_16-0" class="reference"><a href="#cite_note-Carroll_Dong-16"><span class="cite-bracket">[</span>16<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> alle Gruppen, für die Osteoderme belegt sind, aufgeführt (Schema vereinfacht in Anlehnung an Ruta u. a. 2003<sup id="cite_ref-Ruta_2003_17-0" class="reference"><a href="#cite_note-Ruta_2003-17"><span class="cite-bracket">[</span>17<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> und Hill 2005<sup id="cite_ref-Hill_2005_18-0" class="reference"><a href="#cite_note-Hill_2005-18"><span class="cite-bracket">[</span>18<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>):
</p>
<table class="klade" style="border-collapse:collapse;line-height:100%;font-size:100%;line-height:80%">
<tbody><tr>
<td style="min-width:1em; border-bottom:2px solid; vertical-align:bottom; text-align:center;"> <a href="Landwirbeltiere" title="Landwirbeltiere">Landwirbeltiere</a>
</td>
<td rowspan="2" style="padding-bottom:3px;">
<table class="klade" style="border-collapse:collapse;line-height:100%;">
<tbody><tr>
<td style="min-width:1em; border-bottom:2px solid; vertical-align:bottom; text-align:center;"><br>
</td>
<td rowspan="2" style="padding-bottom:3px;padding-left:0.5em;">
<p> Ur-Landwirbeltiere: möglicherweise bei <a href="Colosteidae" title="Colosteidae">Colosteiden</a><sup id="cite_ref-castanet_2003_5-1" class="reference"><a href="#cite_note-castanet_2003-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-Vicka_Sire_3-5" class="reference"><a href="#cite_note-Vicka_Sire-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
</td></tr>
<tr>
<td style="border-left:2px solid; vertical-align:top;"><br>
</td></tr>
<tr>
<td style="border-left:2px solid; border-bottom:2px solid; vertical-align:bottom; text-align:center;">
</td>
<td rowspan="2" style="padding-bottom:3px;">
<table class="klade" style="border-collapse:collapse;line-height:100%;">
<tbody><tr>
<td style="min-width:1em; border-bottom:2px solid; vertical-align:bottom; text-align:center;"><br>
</td>
<td rowspan="2" style="padding-bottom:3px;">
<table class="klade" style="border-collapse:collapse;line-height:100%;">
<tbody><tr>
<td style="min-width:1em; border-bottom:2px solid; vertical-align:bottom; text-align:center;"><br>
</td>
<td rowspan="2" style="padding-bottom:3px;padding-left:0.5em;">
<p> <a href="Lissamphibia" class="mw-redirect" title="Lissamphibia">Moderne Amphibien</a>: bei verschiedenen Gruppen der <a href="Froschlurche" title="Froschlurche">Froschlurche</a> (<a href="Kr%C3%B6tenfr%C3%B6sche" title="Krötenfrösche">Krötenfröschen</a>, <a href="Laubfr%C3%B6sche_(Familie)" title="Laubfrösche (Familie)">Laubfröschen</a>, <a href="Sattelkr%C3%B6ten" title="Sattelkröten">Sattelkröten</a> und <a href="Leptodactylidae" class="mw-redirect" title="Leptodactylidae">Leptodactyliden</a>)<sup id="cite_ref-Ruibal_Shoemaker_7-2" class="reference"><a href="#cite_note-Ruibal_Shoemaker-7"><span class="cite-bracket">[</span>7<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-castanet_2003_5-2" class="reference"><a href="#cite_note-castanet_2003-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
</td></tr>
<tr>
<td style="border-left:2px solid; vertical-align:top;"><br>
</td></tr>
<tr>
<td style="border-left:2px solid; border-bottom:2px solid; vertical-align:bottom; text-align:center;">
</td>
<td rowspan="2" style="padding-bottom:3px;padding-left:0.5em;">
<p> <a href="Temnospondyli" title="Temnospondyli">temnospondyle Amphibien</a>: in den Gruppen Edopoidea, <a href="Dissorophoidea" title="Dissorophoidea">Dissorophoidea</a>, Dvinosauria, <a href="Zatracheidae" title="Zatracheidae">Zatracheidae</a> und Stereospondylomorpha<sup id="cite_ref-Witzmann_Soler_6-1" class="reference"><a href="#cite_note-Witzmann_Soler-6"><span class="cite-bracket">[</span>6<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
</td></tr>
<tr>
<td valign="top"><br>
</td></tr></tbody></table><style data-mw-deduplicate="TemplateStyles:r257636185">
/* start https://de.wikipedia.org/ */
.mw-parser-output .tptable{border-collapse:collapse;font-size:90%;margin:1em 0;max-width:100%;text-align:center;box-sizing:border-box;line-height:130%}.mw-parser-output .tptblxl{border-collapse:collapse;font-size:90%;margin:1em 0;max-width:100%;text-align:center;box-sizing:border-box;line-height:1.5em}.mw-parser-output .tpheader{border:1px solid #999999}.mw-parser-output .tpcaptiont{text-align:center;font-size:90%;vertical-align:top}.mw-parser-output .tpcaptionm{text-align:center;font-size:90%;vertical-align:middle}.mw-parser-output .tpcaptionb{text-align:center;font-size:90%;vertical-align:bottom}.mw-parser-output .tpseed{border:1px solid #999999;background-color:#6C7A93;color:#FFFFFF;height:20px}.mw-parser-output .tpteam{border:1px solid #999999;padding:0 0.5em;text-align:left;height:20px}.mw-parser-output .tpscore{border:1px solid #999999;height:20px}.mw-parser-output .tpgold{background:gold}.mw-parser-output .tpsilver{background:silver}.mw-parser-output .tpbronze{background:#CC9966}.mw-parser-output .tpgroup{text-align:center}.mw-parser-output .tpeditonly{font-size:1px;color:transparent;width:3px}.mw-parser-output .tp0000{border-style:solid;border-width:0 0 0 0}.mw-parser-output .tp0002{border-style:solid;border-width:0 0 0 2px}.mw-parser-output .tp0020{border-style:solid;border-width:0 0 2px 0}.mw-parser-output .tp0022{border-style:solid;border-width:0 0 2px 2px}.mw-parser-output .tp0200{border-style:solid;border-width:0 2px 0 0}.mw-parser-output .tp0202{border-style:solid;border-width:0 2px 0 2px}.mw-parser-output .tp0220{border-style:solid;border-width:0 2px 2px 0}.mw-parser-output .tp0222{border-style:solid;border-width:0 2px 2px 2px}.mw-parser-output .tp2000{border-style:solid;border-width:2px 0 0 0}.mw-parser-output .tp2002{border-style:solid;border-width:2px 0 0 2px}.mw-parser-output .tp2020{border-style:solid;border-width:2px 0 2px 0}.mw-parser-output .tp2022{border-style:solid;border-width:2px 0 2px 2px}.mw-parser-output .tp2200{border-style:solid;border-width:2px 2px 0 0}.mw-parser-output .tp2202{border-style:solid;border-width:2px 2px 0 2px}.mw-parser-output .tp2220{border-style:solid;border-width:2px 2px 2px 0}.mw-parser-output .tpbb{border-bottom:2px solid #777777}.mw-parser-output .tptt{border-top:2px solid #777777}.mw-parser-output .tpbox{border-collapse:collapse;font-size:90%;margin:0;text-align:center;box-sizing:border-box;line-height:120%}.mw-parser-output .tpeditonly{display:none}.mw-parser-output .tpoption{background:#ff9900;margin:0;padding:1px;font-style:italic}@media screen{html.skin-theme-clientpref-night .mw-parser-output .tpseed{border:1px solid #DDDDDD;background:#B6BCC9;color:#000000;height:20px}html.skin-theme-clientpref-night .mw-parser-output .tptable td{border-color:#DDDDDD}html.skin-theme-clientpref-night .mw-parser-output .tpbb{border-bottom:2px solid #DDDDDD}html.skin-theme-clientpref-night .mw-parser-output .tptt{border-top:2px solid #DDDDDD}}
/* end https://de.wikipedia.org/ */
</style>
</td></tr>
<tr>
<td style="border-left:2px solid; vertical-align:top;"><br>
</td></tr>
<tr>
<td style="border-left:2px solid; border-bottom:2px solid; vertical-align:bottom; text-align:center;">
</td>
<td rowspan="2" style="padding-bottom:3px;">
<table class="klade" style="border-collapse:collapse;line-height:100%;">
<tbody><tr>
<td style="min-width:1em; border-bottom:2px solid; vertical-align:bottom; text-align:center;"><br>
</td>
<td rowspan="2" style="padding-bottom:3px;padding-left:0.5em;">
<p> <a href="Kronengruppe" title="Kronengruppe">Stammgruppe</a> der Amniota: bei <a href="Chroniosuchia" title="Chroniosuchia">Chroniosuchiern</a><sup id="cite_ref-Novikov_etal_19-0" class="reference"><a href="#cite_note-Novikov_etal-19"><span class="cite-bracket">[</span>19<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> und <a href="Microsauria" title="Microsauria">Microsauriern</a><sup id="cite_ref-Carroll_Gaskill_20-0" class="reference"><a href="#cite_note-Carroll_Gaskill-20"><span class="cite-bracket">[</span>20<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
</td></tr>
<tr>
<td style="border-left:2px solid; vertical-align:top;"><br>
</td></tr>
<tr>
<td style="border-left:2px solid; border-bottom:2px solid; vertical-align:bottom; text-align:center;"> <a href="Amniota" class="mw-redirect" title="Amniota">Amniota</a>
</td>
<td rowspan="2" style="padding-bottom:3px;">
<table class="klade" style="border-collapse:collapse;line-height:100%;">
<tbody><tr>
<td style="min-width:1em; border-bottom:2px solid; vertical-align:bottom; text-align:center;"><br>
</td>
<td rowspan="2" style="padding-bottom:3px;padding-left:0.5em;">
<p> <a href="Synapsida" class="mw-redirect" title="Synapsida">Synapsida</a>: bei <a href="Varanopseidae" class="mw-redirect" title="Varanopseidae">Varanopiden</a><sup id="cite_ref-BothaBrink_Modesto_21-0" class="reference"><a href="#cite_note-BothaBrink_Modesto-21"><span class="cite-bracket">[</span>21<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> und <a href="S%C3%A4ugetiere" title="Säugetiere">Säugetieren</a> der Gruppe <a href="Nebengelenktiere" title="Nebengelenktiere">Nebengelenktiere</a><sup id="cite_ref-Hill_2006_22-0" class="reference"><a href="#cite_note-Hill_2006-22"><span class="cite-bracket">[</span>22<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
</td></tr>
<tr>
<td style="border-left:2px solid; vertical-align:top;"><br>
</td></tr>
<tr>
<td style="border-left:2px solid; border-bottom:2px solid; vertical-align:bottom; text-align:center;"> <a href="Reptilien" title="Reptilien">Reptilien</a>
</td>
<td rowspan="2" style="padding-bottom:3px;">
<table class="klade" style="border-collapse:collapse;line-height:100%;">
<tbody><tr>
<td style="min-width:1em; border-bottom:2px solid; vertical-align:bottom; text-align:center;"><br>
</td>
<td rowspan="2" style="padding-bottom:3px;padding-left:0.5em;">
<p> <a href="Parareptilien" title="Parareptilien">Parareptilien</a>: bei den <a href="Procolophonidae" class="mw-redirect" title="Procolophonidae">Procolophoniden</a> und <a href="Pareiasaurier" class="mw-redirect" title="Pareiasaurier">Pareiasauriern</a><sup id="cite_ref-Scheyer_Sander2009_23-0" class="reference"><a href="#cite_note-Scheyer_Sander2009-23"><span class="cite-bracket">[</span>23<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
</td></tr>
<tr>
<td style="border-left:2px solid; vertical-align:top;"><br>
</td></tr>
<tr>
<td style="border-left:2px solid; border-bottom:2px solid; vertical-align:bottom; text-align:center;">
</td>
<td rowspan="2" style="padding-bottom:3px;">
<table class="klade" style="border-collapse:collapse;line-height:100%;">
<tbody><tr>
<td style="min-width:1em; border-bottom:2px solid; vertical-align:bottom; text-align:center;"><br>
</td>
<td rowspan="2" style="padding-bottom:3px;">
<table class="klade" style="border-collapse:collapse;line-height:100%;">
<tbody><tr>
<td style="min-width:1em; border-bottom:2px solid; vertical-align:bottom; text-align:center;"><br>
</td>
<td rowspan="2" style="padding-bottom:3px;">
<table class="klade" style="border-collapse:collapse;line-height:100%;">
<tbody><tr>
<td style="min-width:1em; border-bottom:2px solid; vertical-align:bottom; text-align:center;"><br>
</td>
<td rowspan="2" style="padding-bottom:3px;padding-left:0.5em;">
<p> <a href="Schuppenreptilien" class="mw-redirect" title="Schuppenreptilien">Schuppenreptilien</a>: bei <a href="Schleichenartige" title="Schleichenartige">Schleichenartigen</a>, <a href="Geckoartige" title="Geckoartige">Geckoartigen</a> und <a href="Skinkartige" title="Skinkartige">Skinkartigen</a><sup id="cite_ref-Vicka_Sire_3-6" class="reference"><a href="#cite_note-Vicka_Sire-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
</td></tr>
<tr>
<td style="border-left:2px solid; vertical-align:top;"><br>
</td></tr>
<tr>
<td style="border-left:2px solid; border-bottom:2px solid; vertical-align:bottom; text-align:center;">
</td>
<td rowspan="2" style="padding-bottom:3px;padding-left:0.5em;">
<p> ? <a href="Schildkr%C3%B6ten" title="Schildkröten">Schildkröten</a>: Knochenpanzer; bei <a href="Weichschildkr%C3%B6ten" title="Weichschildkröten">Weichschildkröten</a> können einzelne Osteoderme auftreten<sup id="cite_ref-francillon_2-5" class="reference"><a href="#cite_note-francillon-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
</td></tr>
<tr>
<td valign="top"><br>
</td></tr></tbody></table>
</td></tr>
<tr>
<td style="border-left:2px solid; vertical-align:top;"><br>
</td></tr>
<tr>
<td style="border-left:2px solid; border-bottom:2px solid; vertical-align:bottom; text-align:center;">
</td>
<td rowspan="2" style="padding-bottom:3px;padding-left:0.5em;">
<p> <a href="Sauropterygia" title="Sauropterygia">Sauropterygia</a>: bei den <a href="Placodontia" title="Placodontia">Placodontiern</a>, besonders in der Gruppe Cyamodontoidea<sup id="cite_ref-Scheyer_2007_9-1" class="reference"><a href="#cite_note-Scheyer_2007-9"><span class="cite-bracket">[</span>9<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
</td></tr>
<tr>
<td valign="top"><br>
</td></tr></tbody></table>
</td></tr>
<tr>
<td style="border-left:2px solid; vertical-align:top;"><br>
</td></tr>
<tr>
<td style="border-left:2px solid; border-bottom:2px solid; vertical-align:bottom; text-align:center;">
</td>
<td rowspan="2" style="padding-bottom:3px;">
<table class="klade" style="border-collapse:collapse;line-height:100%;">
<tbody><tr>
<td style="min-width:1em; border-bottom:2px solid; vertical-align:bottom; text-align:center;"><br>
</td>
<td rowspan="2" style="padding-bottom:3px;padding-left:0.5em;">
<p> Stammgruppe der Archosaurier: bei <i><a href="Euparkeria" title="Euparkeria">Euparkeria</a></i> und Proterochampsiden<sup id="cite_ref-parrish_1993_24-0" class="reference"><a href="#cite_note-parrish_1993-24"><span class="cite-bracket">[</span>24<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
</td></tr>
<tr>
<td style="border-left:2px solid; vertical-align:top;"><br>
</td></tr>
<tr>
<td style="border-left:2px solid; border-bottom:2px solid; vertical-align:bottom; text-align:center;"> <a href="Archosaurier" class="mw-redirect" title="Archosaurier">Archosaurier</a>
</td>
<td rowspan="2" style="padding-bottom:3px;">
<table class="klade" style="border-collapse:collapse;line-height:100%;">
<tbody><tr>
<td style="min-width:1em; border-bottom:2px solid; vertical-align:bottom; text-align:center;"><br>
</td>
<td rowspan="2" style="padding-bottom:3px;padding-left:0.5em;">
<p> <a href="Crurotarsi" title="Crurotarsi">Crurotarsi</a>: in fast allen Gruppen, unter anderem bei <a href="Krokodile" title="Krokodile">Krokodilen</a> und <a href="Aetosauria" title="Aetosauria">Aetosauriern</a><sup id="cite_ref-parrish_1993_24-1" class="reference"><a href="#cite_note-parrish_1993-24"><span class="cite-bracket">[</span>24<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
</td></tr>
<tr>
<td style="border-left:2px solid; vertical-align:top;"><br>
</td></tr>
<tr>
<td style="border-left:2px solid; border-bottom:2px solid; vertical-align:bottom; text-align:center;">
</td>
<td rowspan="2" style="padding-bottom:3px;padding-left:0.5em;">
<p> <a href="Ornithodira" title="Ornithodira">Ornithodira</a>: bei <a href="Dinosaurier" title="Dinosaurier">Dinosauriern</a>, besonders in den Gruppen <a href="Thyreophora" title="Thyreophora">Thyreophora</a><sup id="cite_ref-Scheyer_Sander2004_25-0" class="reference"><a href="#cite_note-Scheyer_Sander2004-25"><span class="cite-bracket">[</span>25<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-Main_2005_11-1" class="reference"><a href="#cite_note-Main_2005-11"><span class="cite-bracket">[</span>11<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> und <a href="Titanosauria" class="mw-redirect" title="Titanosauria">Titanosauria</a><sup id="cite_ref-d_Emic_2009_26-0" class="reference"><a href="#cite_note-d_Emic_2009-26"><span class="cite-bracket">[</span>26<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
</td></tr>
<tr>
<td valign="top"><br>
</td></tr></tbody></table>
</td></tr>
<tr>
<td valign="top"><br>
</td></tr></tbody></table>
</td></tr>
<tr>
<td valign="top"><br>
</td></tr></tbody></table>
</td></tr>
<tr>
<td valign="top"><br>
</td></tr></tbody></table>
</td></tr>
<tr>
<td valign="top"><br>
</td></tr></tbody></table>
</td></tr>
<tr>
<td valign="top"><br>
</td></tr></tbody></table>
</td></tr>
<tr>
<td valign="top"><br>
</td></tr></tbody></table>
</td></tr>
<tr>
<td valign="top"><br>
</td></tr></tbody></table>
</td></tr>
<tr>
<td valign="top"><br><span style="display:none;">Vorlage:Klade/Wartung/Style</span>
</td></tr></tbody></table>
<p>Da die einzelnen hier aufgeführten Osteodermträger-Gruppen oft übergeordneten Gruppen angehören, deren letzter gemeinsamer Vorfahr keine Hautverknöcherung aufwies, so
bei den <a href="Nebengelenktiere" title="Nebengelenktiere">Nebengelenktieren</a>, welche wie alle anderen heutigen Säugetiergruppen von einem Säugetier ohne Osteoderme abstammen, müssen Osteoderme im Verlauf der <a href="Stammesgeschichte" class="mw-redirect" title="Stammesgeschichte">Stammesgeschichte</a> der Landwirbeltiere vielfach unabhängig voneinander durch massive <a href="Konvergente_Evolution" class="mw-redirect" title="Konvergente Evolution">konvergente Evolution</a> entstanden sein. So sind beispielsweise innerhalb der <a href="Archosaurier" class="mw-redirect" title="Archosaurier">Archosaurier</a> die Osteoderme der <a href="Krokodile" title="Krokodile">Krokodile</a>, der <a href="Thyreophora" title="Thyreophora">thyreophoren Dinosaurier</a> und der <a href="Sauropoda" class="mw-redirect" title="Sauropoda">sauropoden Dinosaurier</a> keine <a href="Homologie_(Biologie)" title="Homologie (Biologie)">homologen Strukturen</a>, das heißt, nicht auf einen gemeinsamen Vorläufer-Osteodermtyp zurückzuführen.<sup id="cite_ref-Scheyer_Sander2004_25-1" class="reference"><a href="#cite_note-Scheyer_Sander2004-25"><span class="cite-bracket">[</span>25<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-Main_2005_11-2" class="reference"><a href="#cite_note-Main_2005-11"><span class="cite-bracket">[</span>11<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Auch innerhalb der Froschlurche sind Osteoderme nach heutiger Kenntnis mehrfach parallel hervorgegangen.<sup id="cite_ref-Ruibal_Shoemaker_7-3" class="reference"><a href="#cite_note-Ruibal_Shoemaker-7"><span class="cite-bracket">[</span>7<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-castanet_2003_5-3" class="reference"><a href="#cite_note-castanet_2003-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Osteoderme_als_„Tiefenhomologie“?"><span id="Osteoderme_als_.E2.80.9ETiefenhomologie.E2.80.9C.3F"></span>Osteoderme als „Tiefenhomologie“?</h3></div>
<p><a href="Embryologie" title="Embryologie">Embryologische</a> Studien belegen, dass die Bildung <a href="Analogie_(Biologie)" title="Analogie (Biologie)">funktionsgleicher Organe</a> im Verlauf der <a href="Embryonalentwicklung" class="mw-redirect" title="Embryonalentwicklung">Embryonalentwicklung</a> entfernt verwandter Gruppen – zum Beispiel die Bildung der Beine bei <a href="Gliederf%C3%BC%C3%9Fer" title="Gliederfüßer">Gliederfüßern</a> und Landwirbeltieren – auf der Wirkung der gleichen <a href="Morphogen" title="Morphogen">gestaltbildenden (morphogenen) Substanzen</a> und der Aktivität der gleichen gestaltbildenden <a href="Gen" title="Gen">Gene</a> beruht. Daher haben <a href="Evolutionsbiologie" title="Evolutionsbiologie">Evolutionsbiologen</a> und <a href="Entwicklungsbiologie" title="Entwicklungsbiologie">Entwicklungsbiologen</a> die Theorie der <i>Tiefenhomologie</i> (deep homology) begründet, die besagt, dass das unabhängige Auftreten ähnlicher Merkmale im Erscheinungsbild (<a href="Ph%C3%A4notyp" title="Phänotyp">Phänotyp</a>) verschiedener Organismengruppen auf eine <a href="Homologie_(Biologie)" title="Homologie (Biologie)">Homologie</a> der Mechanismen, welche die Ausbildung dieser Merkmale im Verlauf der Entwicklung steuern, zurückgeführt werden kann.<sup id="cite_ref-Shubin_etal_1997_27-0" class="reference"><a href="#cite_note-Shubin_etal_1997-27"><span class="cite-bracket">[</span>27<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-Shubin_etal_2009_28-0" class="reference"><a href="#cite_note-Shubin_etal_2009-28"><span class="cite-bracket">[</span>28<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Die Hypothese, Osteoderme seien „tiefenhomolog“, besagt, dass innerhalb der gemeinsamen Vorfahren aller Osteodermträger die Fähigkeit zur Bildung von Osteodermen erstmals aufgetreten ist und daraufhin an die Nachkommenschaft weitervererbt wurde. Danach kam es in manchen Nachfahren zur Einleitung der osteodermbildenden genetischen Steuerungsmechanismen und in vielen anderen Nachfahren nicht, obschon sie die dafür notwendigen genetischen Anlagen besitzen. In vergleichenden Studien zu den Osteoderm-Knochengeweben wird „Tiefenhomologie“ vielfach als Grund für Gemeinsamkeiten in der Struktur und Entwicklung der Osteoderme angeführt.<sup id="cite_ref-Main_2005_11-3" class="reference"><a href="#cite_note-Main_2005-11"><span class="cite-bracket">[</span>11<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-Hill_2005_18-1" class="reference"><a href="#cite_note-Hill_2005-18"><span class="cite-bracket">[</span>18<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-Witzmann_Soler_6-2" class="reference"><a href="#cite_note-Witzmann_Soler-6"><span class="cite-bracket">[</span>6<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Älteste_Belege_und_die_Frage_nach_dem_Ursprung_der_ersten_Osteoderme"><span id=".C3.84lteste_Belege_und_die_Frage_nach_dem_Ursprung_der_ersten_Osteoderme"></span>Älteste Belege und die Frage nach dem Ursprung der ersten Osteoderme</h3></div>
<p>Bereits die ausgestorbenen Gruppen der <a href="Fleischflosser" title="Fleischflosser">Fleischflosser</a> (Sarcopterygii) des <a href="Devon_(Geologie)" title="Devon (Geologie)">Devon</a> und <a href="Karbon" title="Karbon">Karbon</a>, die den Landwirbeltieren (ihren Nachfahren) näher stehen als jeder heutigen Fischgruppe und die man auch als <a href="Kronengruppe" title="Kronengruppe">Stammgruppe</a> der Landwirbeltiere oder „Stamm-Landwirbeltiere“ bezeichnet, tragen verknöcherte Schuppen, auf welche sich die verknöcherten Hautschuppen der frühen Landwirbeltiere zurückführen lassen.<sup id="cite_ref-Witzmann_2007_4-1" class="reference"><a href="#cite_note-Witzmann_2007-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Osteoderme im engeren Sinne sind erstmals für urtümliche Landwirbeltiere des Karbon und <a href="Perm_(Geologie)" title="Perm (Geologie)">Perm</a> belegt: Manche Vertreter der <a href="Temnospondyli" title="Temnospondyli">Temnospondyli</a>, aus denen wahrscheinlich die heutigen Lurche (<a href="Lissamphibia" class="mw-redirect" title="Lissamphibia">Lissamphibia</a>) hervorgegangen sind,<sup id="cite_ref-Ruta_2003_17-1" class="reference"><a href="#cite_note-Ruta_2003-17"><span class="cite-bracket">[</span>17<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> und <a href="Chroniosuchia" title="Chroniosuchia">Chroniosuchier</a>, die wahrscheinlich der Stammgruppe der Amniontiere (<a href="Amniota" class="mw-redirect" title="Amniota">Amniota</a>) angehören, weisen vergleichsweise dicke Knochenplatten auf, die oftmals ähnlich wie Knochen des Schädeldachs eine <a href="Skulptur" title="Skulptur">skulpturierte</a> Oberfläche mit ornamentartigem Relief zeigen.<sup id="cite_ref-Witzmann_Soler_6-3" class="reference"><a href="#cite_note-Witzmann_Soler-6"><span class="cite-bracket">[</span>6<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-Novikov_etal_19-1" class="reference"><a href="#cite_note-Novikov_etal-19"><span class="cite-bracket">[</span>19<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Für Osteoderme beider Gruppen wurde die Fähigkeit zur Hautknochenbildung durch Umwandlung von Hautgewebe (metaplastische Verknöcherung) nachgewiesen,<sup id="cite_ref-Witzmann_Soler_6-4" class="reference"><a href="#cite_note-Witzmann_Soler-6"><span class="cite-bracket">[</span>6<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> die für <a href="Fossil" title="Fossil">fossile</a> Fische nicht belegt ist.<sup id="cite_ref-Sire_Huysseune_29-0" class="reference"><a href="#cite_note-Sire_Huysseune-29"><span class="cite-bracket">[</span>29<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Insofern die Osteoderme der Temnospondylen und heutigen Amphibien mit denen der Chroniosuchier, Reptilien und Säugetiere hinsichtlich der Osteoderm-Entwicklungsvorgänge und ihrer Steuerungsmechanismen homolog sind, muss der letzte gemeinsame Vorfahr all dieser Gruppen, der wahrscheinlich im frühen Karbon vor ca. 350 Millionen Jahren lebte, schon das Potential zur Ausbildung von Osteodermen besessen haben.<sup id="cite_ref-Witzmann_Soler_6-5" class="reference"><a href="#cite_note-Witzmann_Soler-6"><span class="cite-bracket">[</span>6<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Demnach wäre der Ursprung der Osteoderme womöglich mit der frühesten Evolution der Landwirbeltiere nach dem <a href="Landgang_(Biologie)" title="Landgang (Biologie)">Landgang</a> der Knochenfische im Devon verbunden gewesen. Ein später Vertreter der ursprungsnahen Gruppe <a href="Colosteidae" title="Colosteidae">Colosteidae</a> weist Hautverknöcherungen auf, die manchmal als Osteoderme interpretiert werden.<sup id="cite_ref-castanet_2003_5-4" class="reference"><a href="#cite_note-castanet_2003-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Evolutionäre_Trends_innerhalb_einzelner_Osteodermträger-Gruppen"><span id="Evolution.C3.A4re_Trends_innerhalb_einzelner_Osteodermtr.C3.A4ger-Gruppen"></span>Evolutionäre Trends innerhalb einzelner Osteodermträger-Gruppen</h3></div>
<p>In mehreren Gruppen treten Osteoderme bei urtümlichen Vertretern zunächst als eine Reihe schmaler Schilde entlang der Rückenmittellinie auf, während spätere Vertreter eine ausgedehntere Osteoderm-Bedeckung oder einen <a href="Knochenpanzer" title="Knochenpanzer">Knochenpanzer</a> aufweisen: Für Pareiasaurier wird solch ein Trend von großen urtümlichen Formen wie <i><a href="Bradysaurus" title="Bradysaurus">Bradysaurus</a></i> mit mittiger Osteodermreihe zu kleineren Formen wie <i>Anthodon</i>, dessen Rücken vollständig mit Osteodermen bedeckt war, angenommen.<sup id="cite_ref-Scheyer_Sander2004_25-2" class="reference"><a href="#cite_note-Scheyer_Sander2004-25"><span class="cite-bracket">[</span>25<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Innerhalb der <a href="Placodontia" title="Placodontia">Placodontier</a>, einer Gruppe von Meeresreptilien, liegt bei <i><a href="Placodus" title="Placodus">Placodus</a></i> und anderen Placodontoidea eine Mittelreihe von Osteodermen vor, während die späteren abgeleiteten Cyamodontoidea schildkrötenähnliche Panzer aufweisen.<sup id="cite_ref-Scheyer_2007_9-2" class="reference"><a href="#cite_note-Scheyer_2007-9"><span class="cite-bracket">[</span>9<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Chroniosuchier zeigen verschieden breite Rückenosteoderm-Reihen, wobei jedoch sehr breite Osteodermsysteme wie bei <i><a href="Chroniosaurus" title="Chroniosaurus">Chroniosaurus</a></i> mit zu den ältesten und möglicherweise urtümlichsten zählen, so dass ein Trend zu verstärkter Panzerung nicht deutlich ist.<sup id="cite_ref-Golubev_1998_30-0" class="reference"><a href="#cite_note-Golubev_1998-30"><span class="cite-bracket">[</span>30<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-Novikov_etal_19-2" class="reference"><a href="#cite_note-Novikov_etal-19"><span class="cite-bracket">[</span>19<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Bei nahen Verwandten der Archosaurier wie <i><a href="Euparkeria" title="Euparkeria">Euparkeria</a></i> und <i>Proterochampsa</i> sowie bei vielen urtümlichen <a href="Trias_(Geologie)" title="Trias (Geologie)">triaszeitlichen</a> Archosauriern der Krokodil-Linie (<a href="Crurotarsi" title="Crurotarsi">Crurotarsi</a>) wie <a href="Phytosaurier" class="mw-redirect" title="Phytosaurier">Phytosauriern</a>, manchen <a href="Rauisuchia" class="mw-redirect" title="Rauisuchia">Rauisuchiern</a>, <a href="Ornithosuchidae" title="Ornithosuchidae">Ornithosuchiden</a> und <a href="Sphenosuchia" title="Sphenosuchia">Sphenosuchiern</a> treten ebenfalls zunächst einfache Osteodermsysteme auf, die aus ein oder zwei Reihen entlang der Rücken-Mittellinie bestehen. Aus solchen Formen gehen dann die umfangreicheren Schilde und Panzer der <a href="Aetosauria" title="Aetosauria">Aetosaurier</a> und <a href="Krokodile" title="Krokodile">Krokodile</a> hervor.<sup id="cite_ref-parrish_1993_24-2" class="reference"><a href="#cite_note-parrish_1993-24"><span class="cite-bracket">[</span>24<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Die Aetosaurier, die nur in der Trias auftraten, tragen eine mittig gelegene Doppelreihe stark verbreiterter Osteoderme, die durch Reihen seitlicher Osteoderme und einen Bauchpanzer ergänzt werden.<sup id="cite_ref-Long_1995_31-0" class="reference"><a href="#cite_note-Long_1995-31"><span class="cite-bracket">[</span>31<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-Parker_2007_32-0" class="reference"><a href="#cite_note-Parker_2007-32"><span class="cite-bracket">[</span>32<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Bei den späteren Krokodilen, besonders den Vertretern der Gruppe <a href="Eusuchia" class="mw-redirect" title="Eusuchia">Eusuchia</a>, zu der auch alle heutigen Krokodile zählen, liegen meist vier oder mehr Reihen von Osteodermen, die einen Großteil der Körperrückseite bedecken, vor. Oftmals kommt ein Bauchpanzer hinzu.<sup id="cite_ref-Frey_1988_33-0" class="reference"><a href="#cite_note-Frey_1988-33"><span class="cite-bracket">[</span>33<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-Salisbury_Frey_34-0" class="reference"><a href="#cite_note-Salisbury_Frey-34"><span class="cite-bracket">[</span>34<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<ul class="centered gallery mw-gallery-traditional">
<li class="gallerycaption"><a href="Crurotarsi" title="Crurotarsi">Crurotarsi</a> (Krokodile und Verwandte): Aus Einzel- oder Doppelreihen von Rückenosteodermen gehen im Verlauf der Stammesgeschichte <a href="R%C3%BCckenpanzer" class="mw-redirect" title="Rückenpanzer">Rückenpanzer</a> hervor.</li>
<li class="gallerybox" style="width: 155px">
<div class="thumb" style="width: 150px; height: 150px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext">Osteoderm-Doppelreihe beim <a href="Phytosaurier" class="mw-redirect" title="Phytosaurier">Phytosaurier</a> <i>Redondasaurus</i>.</div>
</li>
<li class="gallerybox" style="width: 155px">
<div class="thumb" style="width: 150px; height: 150px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext">Osteoderm-Doppelreihe beim <a href="Kupferzell" title="Kupferzell">Kupferzell</a>-<a href="Rauisuchia" class="mw-redirect" title="Rauisuchia">Rauisuchier</a> <i><a href="Batrachotomus" title="Batrachotomus">Batrachotomus</a></i>.</div>
</li>
<li class="gallerybox" style="width: 155px">
<div class="thumb" style="width: 150px; height: 150px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext">Rückenpanzer beim <a href="Brillenkaiman" title="Brillenkaiman">Brillenkaiman</a>, einem Vertreter der <a href="Eusuchia" class="mw-redirect" title="Eusuchia">Eusuchia</a>.</div>
</li>
</ul>
<p>Innerhalb der Krokodile ist eine Flexibilisierung des Rücken-Osteodermsystems zu beobachten: Während bei urtümlichen Krokodilen die mit der Wirbelsäule durch Bänder verbundenen Schildsegmente entlang der Körperlängsachse eine deutlich Überlappung zeigen und durch zapfenförmige Fortsätze und seitlich angewinkelte Teilstücke nur wenig Bewegung gegeneinander zulassen, tritt bei den heutigen Krokodilen kaum Überlappung auf. Wahrscheinlich stand dieser Wandel mit dem Umbau der Wirbelsäule im Zusammenhang: Urtümliche Krokodile wiesen <a href="Bikonkav" class="mw-redirect" title="Bikonkav">bikonkave</a> (amphicoele) Wirbel auf und besaßen daher Wirbelgelenke, die anfällig gegenüber Knickbelastungen waren, welche jedoch von den miteinander in Verzahnung tretenden Osteodermen abgeblockt wurden. Vertreter der Eusuchia hingegen besitzen <a href="Konkav_und_konvex" title="Konkav und konvex">konvex</a>-konkave (procoele) Wirbel und infolgedessen weniger belastungsanfällige Wirbelgelenke, die keine Abblockung durch das Osteodermsystem erforderlich machen.<sup id="cite_ref-Salisbury_Frey_34-1" class="reference"><a href="#cite_note-Salisbury_Frey-34"><span class="cite-bracket">[</span>34<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Bei den schildtragenden Dinosauriern (Gruppe <a href="Thyreophora" title="Thyreophora">Thyreophora</a>) zeigen die Osteoderme einen Trend zum extremen Dickenwachstum: Gegenüber den verhältnismäßig flachen Rückenplatten der ursprungsnahen Formen <i><a href="Scelidosaurus" title="Scelidosaurus">Scelidosaurus</a></i> und <i><a href="Scutellosaurus" title="Scutellosaurus">Scutellosaurus</a></i> weisen die abgeleiteten <a href="Ankylosaurier" class="mw-disambig" title="Ankylosaurier">Ankylosaurier</a> und <a href="Stegosaurier" class="mw-redirect" title="Stegosaurier">Stegosaurier</a> Sporne, lange Stacheln, aufgerichtete Rückenplatten und Schwanzkeulen auf. Diesen Änderungen liegt offenbar ein Funktionswandel oder eine Funktionserweiterung zugrunde.<sup id="cite_ref-Main_2005_11-4" class="reference"><a href="#cite_note-Main_2005-11"><span class="cite-bracket">[</span>11<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-Hayashi_2009_15-1" class="reference"><a href="#cite_note-Hayashi_2009-15"><span class="cite-bracket">[</span>15<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-Hayashi_2010_35-0" class="reference"><a href="#cite_note-Hayashi_2010-35"><span class="cite-bracket">[</span>35<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Ursprung_des_Schildkrötenpanzers"><span id="Ursprung_des_Schildkr.C3.B6tenpanzers"></span>Ursprung des Schildkrötenpanzers</h3></div>
<p>Zum Ursprung des <a href="Knochenpanzer" title="Knochenpanzer">Knochenpanzers</a> der Schildkröten werden zwei gegensätzliche Hypothesen diskutiert:
</p>
<ol><li>Da embryologischen Studien zufolge die plattigen Knochen, die den Panzer aufbauen, im Verlauf der <a href="Embryonalentwicklung" class="mw-redirect" title="Embryonalentwicklung">Embryonalentwicklung</a> aus Auswüchsen der Rippen und Wirbel hervorgehen, ist anzunehmen, dass es sich beim Schildkrötenpanzer um eine Neubildung innerhalb der Stammlinie der Schildkröten handelt, die sich nicht auf Hautknochen einer Vorläuferform zurückführen lässt.<sup id="cite_ref-Gilbert_2001_36-0" class="reference"><a href="#cite_note-Gilbert_2001-36"><span class="cite-bracket">[</span>36<span class="cite-bracket">]</span></a></sup></li>
<li>Der Schildkrötenpanzer ist aus dem Zusammenwachsen vieler einzelner Osteoderme und schließlich aus dem Verwachsen des Osteodermschilds mit dem darunter liegenden Innenskelett hervorgegangen.<sup id="cite_ref-Joyce_2008_37-0" class="reference"><a href="#cite_note-Joyce_2008-37"><span class="cite-bracket">[</span>37<span class="cite-bracket">]</span></a></sup></li></ol>
<p>In Übereinstimmung mit der zweiten Hypothese, dass auch Hautknochen an der Bildung des Panzers beteiligt waren, wurden Strukturfasern verknöcherten Hautgewebes (Anzeichen metaplastischer Verknöcherung) in den Panzersegmenten früher Schildkröten nachgewiesen.<sup id="cite_ref-Scheyer_Sander2007_38-0" class="reference"><a href="#cite_note-Scheyer_Sander2007-38"><span class="cite-bracket">[</span>38<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Falls im Verlauf der Stammesgeschichte eine Verschmelzung der embryonalen Anlagen für die Knochen des Panzers und für die Rippen oder Wirbel stattgefunden hat, dann wäre das ein Grund dafür, warum in der Embryonalentwicklung der heutigen Schildkröten keine zusätzlichen Verknöcherungszentren in der Haut vorliegen, obwohl der Panzer ursprünglich tatsächlich aus den Osteodermen und nicht aus dem Innenskelett entstanden ist.<sup id="cite_ref-Joyce_2008_37-1" class="reference"><a href="#cite_note-Joyce_2008-37"><span class="cite-bracket">[</span>37<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Der kürzlich veröffentlichte Fund von <i>Chinlechelys tenerstesta</i> aus der späten Trias der <a href="Chinle-Formation" title="Chinle-Formation">Chinle-Formation</a> <a href="New_Mexico" title="New Mexico">New Mexicos</a> hat besonders zur Diskussion über den Ursprung des Schildkrötenpanzers beigetragen. <i>Chinlechelys</i> zeigt im Bereich des Brustkorbs Rippen, die kaum in Verbindung mit den darüber liegenden Costalknochen des Rückenpanzers stehen, was einer Interpretation dieser Panzersegmente als Rippenauswüchse gemäß der erstgenannten Theorie widerspricht.<sup id="cite_ref-Joyce_2008_37-2" class="reference"><a href="#cite_note-Joyce_2008-37"><span class="cite-bracket">[</span>37<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Das Vorliegen von Osteodermen entlang des Halses und Schwanzes von <i>Chinlechelys</i> deutet nach Ansicht der Autoren der Studie darauf hin, dass der Panzer lediglich eine Verwachsung eines Teils der Osteoderme, die die Körper ursprünglicher Schildkröten bedeckten, darstellt. Da es sich bei <i>Chinlechelys</i> und weiteren triaszeitlichen Schildkröten wie <i><a href="Proganochelys" title="Proganochelys">Proganochelys</a> quenstedti</i> und <i>Proterochersis robusta</i> nach Merkmalen der Gliedmaßen und der Knochengewebe des Panzers wahrscheinlich um Landbewohner handelt,<sup id="cite_ref-Scheyer_Sander2007_38-1" class="reference"><a href="#cite_note-Scheyer_Sander2007-38"><span class="cite-bracket">[</span>38<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> könnte der Schildkrötenpanzer so wie die Osteodermsysteme der <a href="Crurotarsi" title="Crurotarsi">Krokodile und ihrer Verwandten</a> an Land entstanden sein.
</p><p>Zu beinahe gegensätzlichen Schlussfolgerungen gelangen die Autoren der 2008 veröffentlichten Erstbeschreibung von <i><a href="Odontochelys" title="Odontochelys">Odontochelys</a> semitestacea</i> aus der späten Trias der Falang-Formation von Südwest-<a href="China" title="China">China</a>:<sup id="cite_ref-Li_2008_39-0" class="reference"><a href="#cite_note-Li_2008-39"><span class="cite-bracket">[</span>39<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Da dem Skelett Osteoderme fehlen und nur der Bauchpanzer <i>(Plastron)</i> als zusammenhängender knöcherner Schild vorliegt, während vom Rückenpanzer <i>(Carapax)</i> ähnlich wie in einem embryonalen Entwicklungsstadium heutiger Schildkröten nur die Mittelreihe der Neuralknochen vorhanden ist und die Rippen im Rumpfbereich verbreitet sind, sei <i>Odontochelys</i> ein Beleg für die evolutionäre Entstehung des Rückenpanzers nach der des Bauchpanzers und für ein Hervorgehen der Schildkrötenpanzerung ohne Osteoderm-Vorläufer aus den Rippen und Wirbeln des Innenskeletts. Da <i>Odontochelys</i> aus marinen Ablagerungen stammt und die (alleinige) Ausbildung eines Bauchpanzers am ehesten einem Bewohner der Meeresküsten genützt haben könnte, seien die ersten Schildkröten wahrscheinlich Wasserbewohner gewesen. Diese Interpretation wurde unter anderem in einem parallel zur Erstbeschreibung veröffentlichten Artikel in Zweifel gezogen:<sup id="cite_ref-Reisz_Head2008_40-0" class="reference"><a href="#cite_note-Reisz_Head2008-40"><span class="cite-bracket">[</span>40<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Ähnlich wie bei späteren im Wasser lebenden Schildkröten wie den <a href="Weichschildkr%C3%B6ten" title="Weichschildkröten">Weichschildkröten</a> sei ein Rückenpanzer bei <i>Odontochelys</i> vorhanden, aber nicht voll verknöchert gewesen. Dies zeige jedoch nicht den generellen Zustand des Panzers bei den ersten Schildkröten an, sondern nur die Rückbildung des Rückenpanzers in einer bereits spezialisierten, an das Wasser angepassten Form.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Funktion">Funktion</h2></div>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Panzerung">Panzerung</h3></div>
<p>Der Schutz vor <a href="Fressfeinde" class="mw-redirect" title="Fressfeinde">Fressfeinden</a> durch eine Osteoderm-Panzerung wird in vielen Gruppen als ein bedeutender Faktor angesehen, der die Evolution von Osteoderm-Systemen ausgelöst oder zu wesentlichen Anteilen beeinflusst hat.<sup id="cite_ref-Vicka_Sire_3-7" class="reference"><a href="#cite_note-Vicka_Sire-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Dabei kann es wie bei vielen <a href="Thyreophora" title="Thyreophora">thyreophoren Dinosauriern</a><sup id="cite_ref-Hayashi_2010_35-1" class="reference"><a href="#cite_note-Hayashi_2010-35"><span class="cite-bracket">[</span>35<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> und manchen <a href="Echsen" title="Echsen">Echsen</a><sup id="cite_ref-Vicka_Sire_3-8" class="reference"><a href="#cite_note-Vicka_Sire-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> zur Ausbildung von Feldern der Hautoberfläche kommen, die durch viele getrennte in meist kleinem Abstand liegende Hautknochenplatten bedeckt sind, oder aber zur flächenhafter Ausbildung von Osteodermen, die einander berühren und durch <a href="Band_(Anatomie)" title="Band (Anatomie)">Bänder</a>, Überlappungsflächen oder auch komplizierte Gelenke mehr oder weniger beweglich miteinander verbunden sind. Letzteres trifft unter anderem auf die Rückenpanzer vieler Krokodile,<sup id="cite_ref-Salisbury_Frey_34-2" class="reference"><a href="#cite_note-Salisbury_Frey-34"><span class="cite-bracket">[</span>34<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> <a href="Aetosaurier" class="mw-redirect" title="Aetosaurier">Aetosaurier</a>,<sup id="cite_ref-Long_1995_31-1" class="reference"><a href="#cite_note-Long_1995-31"><span class="cite-bracket">[</span>31<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> mancher <a href="Chroniosuchidae" title="Chroniosuchidae">Chroniosuchiden</a><sup id="cite_ref-Novikov_etal_19-3" class="reference"><a href="#cite_note-Novikov_etal-19"><span class="cite-bracket">[</span>19<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-Clack_Klembara_41-0" class="reference"><a href="#cite_note-Clack_Klembara-41"><span class="cite-bracket">[</span>41<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> und mancher <a href="Pareiasaurier" class="mw-redirect" title="Pareiasaurier">Pareiasaurier</a> zu.<sup id="cite_ref-Scheyer_Sander2009_23-1" class="reference"><a href="#cite_note-Scheyer_Sander2009-23"><span class="cite-bracket">[</span>23<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Rückpanzerungen können durch einen Bauchpanzer ergänzt werden – so zum Beispiel bei manchen Krokodilen<sup id="cite_ref-Steel_1979_42-0" class="reference"><a href="#cite_note-Steel_1979-42"><span class="cite-bracket">[</span>42<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> und Aetosauriern.<sup id="cite_ref-Long_1995_31-2" class="reference"><a href="#cite_note-Long_1995-31"><span class="cite-bracket">[</span>31<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Starre Rücken- und/oder Bauchpanzer aus miteinander verzahnten oder verschweißten Osteodermen kommen bei den <a href="Placodontier" class="mw-redirect" title="Placodontier">Placodontiern</a> der Gruppe Cyamodontoidea,<sup id="cite_ref-Scheyer_2007_9-3" class="reference"><a href="#cite_note-Scheyer_2007-9"><span class="cite-bracket">[</span>9<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> <a href="Gepanzerte_Nebengelenktiere" title="Gepanzerte Nebengelenktiere">Gepanzerten Nebengelenktieren</a> (Cingulata)<sup id="cite_ref-Hill_2006_22-1" class="reference"><a href="#cite_note-Hill_2006-22"><span class="cite-bracket">[</span>22<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> und wahrscheinlich bei <a href="Schildkr%C3%B6ten" title="Schildkröten">Schildkröten</a><sup id="cite_ref-Joyce_2008_37-3" class="reference"><a href="#cite_note-Joyce_2008-37"><span class="cite-bracket">[</span>37<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> (siehe Diskussion des Osteoderm-Ursprungs der Schildkrötenpanzer oben) vor, wobei unter anderem die <a href="G%C3%BCrteltiere" title="Gürteltiere">Gürteltiere</a> als überlebende Vertreter der Cingulaten mehrere zueinander bewegliche Schildsegmente aufweisen, die jeweils aus unbeweglich ineinander greifenden (jedoch selten verschweißten) Osteodermen bestehen.<sup id="cite_ref-Vicka_Hall2006_43-0" class="reference"><a href="#cite_note-Vicka_Hall2006-43"><span class="cite-bracket">[</span>43<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Aktive_Verteidigung">Aktive Verteidigung</h3></div>
<p>Keulenförmig verdickte oder stachelige Osteoderme nahe dem Schwanzende traten <a href="Konvergente_Evolution" class="mw-redirect" title="Konvergente Evolution">konvergent</a> bei <a href="Stegosauria" title="Stegosauria">Stegosauriern</a>,<sup id="cite_ref-Main_2005_11-5" class="reference"><a href="#cite_note-Main_2005-11"><span class="cite-bracket">[</span>11<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-Hayashi_2009_15-2" class="reference"><a href="#cite_note-Hayashi_2009-15"><span class="cite-bracket">[</span>15<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> <a href="Ankylosauridae" title="Ankylosauridae">Ankylosauriden</a>,<sup id="cite_ref-Hayashi_2010_35-2" class="reference"><a href="#cite_note-Hayashi_2010-35"><span class="cite-bracket">[</span>35<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> urtümlichen <a href="Sauropoda" class="mw-redirect" title="Sauropoda">Sauropoden</a> wie <i><a href="Shunosaurus" title="Shunosaurus">Shunosaurus</a></i><sup id="cite_ref-Zhang_1988_44-0" class="reference"><a href="#cite_note-Zhang_1988-44"><span class="cite-bracket">[</span>44<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> und <i><a href="Spinophorosaurus" title="Spinophorosaurus">Spinophorosaurus</a></i><sup id="cite_ref-Remes_2009_45-0" class="reference"><a href="#cite_note-Remes_2009-45"><span class="cite-bracket">[</span>45<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> sowie Gepanzerten Nebengelenktieren der ausgestorbenen Gruppe <a href="Glyptodontidae" title="Glyptodontidae">Glyptodontidae</a> auf.<sup id="cite_ref-Blanco_2009_46-0" class="reference"><a href="#cite_note-Blanco_2009-46"><span class="cite-bracket">[</span>46<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Derartige Hautknochen fungierten nicht als Teil der Panzerung, sondern bildeten eine Schwanz-Schlagwaffe, wofür unter anderem die Struktur ihrer Knochengewebe und <a href="Biomechanik" title="Biomechanik">biomechanische</a> Modellierungen möglicher Schlagabläufe sprechen.<sup id="cite_ref-Blanco_2009_46-1" class="reference"><a href="#cite_note-Blanco_2009-46"><span class="cite-bracket">[</span>46<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-Arbour_2009_47-0" class="reference"><a href="#cite_note-Arbour_2009-47"><span class="cite-bracket">[</span>47<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-Hayashi_2010_35-3" class="reference"><a href="#cite_note-Hayashi_2010-35"><span class="cite-bracket">[</span>35<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Thermoregulation">Thermoregulation</h3></div>
<p>Dass Osteoderme zur <a href="Thermoregulation" title="Thermoregulation">Thermoregulation</a> beitrugen, indem sie den Wärmeaustausch mit der Umgebung beförderten, wurde unter anderem für die aufrecht stehenden Rückenplatten der <a href="Stegosaurier" class="mw-redirect" title="Stegosaurier">Stegosaurier</a> vorgeschlagen. Diese sind leicht gebaut und dicht von Gefäßen durchzogen, was dafür zu sprechen schien, dass sie anstelle einer Schutzfunktion eine <a href="Sonnenkollektor" class="mw-redirect" title="Sonnenkollektor">Sonnenkollektor</a>-ähnliche Funktionsweise innehatten.<sup id="cite_ref-Buffrenil_1986_48-0" class="reference"><a href="#cite_note-Buffrenil_1986-48"><span class="cite-bracket">[</span>48<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> In einer neueren Studie zeigte sich allerdings, dass die Gefäße der Osteoderm-Innen- und Außenseiten nicht im Sinne eines Kreislaufsystems in Verbindung standen, sondern die dichte Gefäßführung eher ein „bautechnisches <a href="Artefakt_(Diagnostik)" title="Artefakt (Diagnostik)">Artefakt</a>“ darstellte, welches nicht auf eine thermoregulatorische Funktion im ausgewachsenen Tier zurückzuführen ist, sondern auf die zeitweilig hohen Wachstumsraten der Platten, die eine gute Durchblutung erforderte.<sup id="cite_ref-Main_2005_11-6" class="reference"><a href="#cite_note-Main_2005-11"><span class="cite-bracket">[</span>11<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Zwar könnte ein rein äußeres Gefäßsystem zum Wärmeaustausch bestanden haben, dafür gibt es jedoch keine Belege. Zudem erforderte auch die äußere Osteoderm-Hülle aus <a href="Keratin" class="mw-redirect" title="Keratin">Horn</a> eine Versorgung durch Blutgefäße. Daher sei eine thermoregulatorische Funktion, falls überhaupt, nur in einigen Stegosauriern vorgekommen und habe allenfalls eine untergeordnete Rolle gespielt.<sup id="cite_ref-Main_2005_11-7" class="reference"><a href="#cite_note-Main_2005-11"><span class="cite-bracket">[</span>11<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Für das Osteodermsystem des heutigen <a href="Mississippi-Alligator" title="Mississippi-Alligator">Mississippi-Alligators</a> wurde ebenfalls erwogen, dass es zur Regulation der Körpertemperatur beigetragen haben könnte.<sup id="cite_ref-seidel_1979_49-0" class="reference"><a href="#cite_note-seidel_1979-49"><span class="cite-bracket">[</span>49<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Auch für die leicht gebauten Platten und Stacheln mancher <a href="Ankylosaurier" class="mw-disambig" title="Ankylosaurier">Ankylosaurier</a> der Teilgruppen <a href="Ankylosauridae" title="Ankylosauridae">Ankylosauridae</a> und <a href="Polacanthidae" title="Polacanthidae">Polacanthidae</a>, welche Netzwerke pfeifenartiger Gefäße gleich denen der Alligator-Osteoderme aufweisen, wurde in einer neueren histologischen Studie Thermoregulation als mögliche Funktion vorgeschlagen.<sup id="cite_ref-Hayashi_2010_35-4" class="reference"><a href="#cite_note-Hayashi_2010-35"><span class="cite-bracket">[</span>35<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Zurschaustellung">Zurschaustellung</h3></div>
<p>Für die hoch aufragenden Platten und seitlich abstehenden Stacheln mancher <a href="Stegosaurier" class="mw-redirect" title="Stegosaurier">Stegosaurier</a>, Ankylosaurier und <a href="Aetosaurier" class="mw-redirect" title="Aetosaurier">Aetosaurier</a> wird unter Berücksichtigung ihrer histologischen Merkmale in Betracht gezogen, dass sie nicht oder nicht nur als Verteidigungseinrichtungen oder Organe zur Thermoregulation dienten, sondern (auch) der Zurschaustellung im Rahmen des <a href="Imponierverhalten" title="Imponierverhalten">Imponierverhaltens</a> gegenüber <a href="Geschlechtspartner" class="mw-redirect" title="Geschlechtspartner">Geschlechtspartnern</a> oder innerartlichen Konkurrenten.<sup id="cite_ref-Main_2005_11-8" class="reference"><a href="#cite_note-Main_2005-11"><span class="cite-bracket">[</span>11<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-Hayashi_2009_15-3" class="reference"><a href="#cite_note-Hayashi_2009-15"><span class="cite-bracket">[</span>15<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-Hayashi_2010_35-5" class="reference"><a href="#cite_note-Hayashi_2010-35"><span class="cite-bracket">[</span>35<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Die Hypothese, die plattenförmigen Stegosaurier-Rückenosteoderme dienten hauptsächlich der Zurschaustellung, folgt besonders der Beobachtung, dass ihr Gefäßsystem kaum eine Flüssigkeitszirkulation wie bei einem Organ zur Thermoregulation unterstützte<sup id="cite_ref-Main_2005_11-9" class="reference"><a href="#cite_note-Main_2005-11"><span class="cite-bracket">[</span>11<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> und dass sich diese Osteoderme im Vergleich zu Knochen des Innenskeletts sehr spät entwickelten und daher womöglich erst bei <a href="Geschlechtsreife" title="Geschlechtsreife">geschlechtsreifen</a> Tieren eine Funktion innehatten.<sup id="cite_ref-Hayashi_2009_15-4" class="reference"><a href="#cite_note-Hayashi_2009-15"><span class="cite-bracket">[</span>15<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Hinzu kommt das Argument, dass besonders die Stegosaurier-Rückenplatten in seitlicher Ansicht die Körper<a href="Schattenriss" title="Schattenriss">silhouette</a> deutlich vergrößerten und dass aus diesem Grund Tiere mit verhältnismäßig großen Platten womöglich bei der <a href="Sexuelle_Selektion" title="Sexuelle Selektion">sexuellen Selektion</a> einen Vorteil hatten.<sup id="cite_ref-Hayashi_2009_15-5" class="reference"><a href="#cite_note-Hayashi_2009-15"><span class="cite-bracket">[</span>15<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<p>Auch die stachel- und plattenförmigen Osteoderme mancher Ankylosaurier könnten nur nachrangig eine Schutzfunktion gehabt haben. Besonders die Stacheln bei Angehörigen der Familie <a href="Polacanthidae" title="Polacanthidae">Polacanthidae</a> und die Panzerplatten mancher <a href="Ankylosauridae" title="Ankylosauridae">Ankylosauriden</a> weisen Knochengewebe von geringer Kompaktheit auf und haben möglicherweise ähnlich wie die Stegosaurier-Rückenplatten vor allem der innerartlichen Zurschaustellung gedient.<sup id="cite_ref-Hayashi_2010_35-6" class="reference"><a href="#cite_note-Hayashi_2010-35"><span class="cite-bracket">[</span>35<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Das Gleiche trifft möglicherweise auf manche Schwanzkeulen der Ankylosauriden zu, die nach biomechanischen Gesichtspunkten nicht alle gleichermaßen als Verteidigungswaffe geeignet waren.<sup id="cite_ref-Arbour_2009_47-1" class="reference"><a href="#cite_note-Arbour_2009-47"><span class="cite-bracket">[</span>47<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-Hayashi_2010_35-7" class="reference"><a href="#cite_note-Hayashi_2010-35"><span class="cite-bracket">[</span>35<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Für die nah verwandten Aetosaurier <i>Longosuchus meadei</i> und <i>Lucasuchus hunti</i>, die sich in ihrer räumlichen und zeitlichen Verbreitung gleichen, wurde die Hypothese aufgestellt, dass es sich um Tiere unterschiedlichen Geschlechts derselben Art handle, deren <a href="Sexualdimorphismus" title="Sexualdimorphismus">Unterschiede</a> in der Form des Osteoderm-Rückenpanzers als artspezifische Merkmale fehlinterpretiert worden seien. Solche Geschlechtsunterschiede würden wiederum auf den Einfluss der sexuellen Selektion bei der Evolution des Panzers und Osteoderme als Mittel der Zurschaustellung hinweisen. Nach derzeitigem Wissensstand sind die Belege für diese Hypothese jedoch nicht ausreichend.<sup id="cite_ref-Parker_Martz_50-0" class="reference"><a href="#cite_note-Parker_Martz-50"><span class="cite-bracket">[</span>50<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Für die horn- und stachelbewehrten Schädel der <a href="Ceratopsidae" title="Ceratopsidae">ceratopsiden Dinosaurier</a> wird gleichfalls eine Funktion bei der Zurschaustellung<sup id="cite_ref-Horner_Goodwin_51-0" class="reference"><a href="#cite_note-Horner_Goodwin-51"><span class="cite-bracket">[</span>51<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-Hieronymus_etal_52-0" class="reference"><a href="#cite_note-Hieronymus_etal-52"><span class="cite-bracket">[</span>52<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> oder alternativ bei innerartlichen Rivalenkämpfen<sup id="cite_ref-Farke_etal_53-0" class="reference"><a href="#cite_note-Farke_etal-53"><span class="cite-bracket">[</span>53<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> erwogen und es lassen sich für <i><a href="Triceratops" title="Triceratops">Triceratops</a></i> Schädelverletzungen nachweisen, die auf Kämpfe mit Rivalen oder Fressfeinden zurückzuführen sind.<sup id="cite_ref-Farke_etal_53-1" class="reference"><a href="#cite_note-Farke_etal-53"><span class="cite-bracket">[</span>53<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Es ist allerdings nicht abschließend geklärt, inwiefern es sich bei den Hörnern, Stacheln und plattenförmigen Aufsätzen der Ceratopsiden-Schädel um Bildungen der Haut handelt, die mit Osteodermen zu vergleichen sind, oder um davon zu unterscheidende Skelettelemente.<sup id="cite_ref-Horner_Goodwin_51-1" class="reference"><a href="#cite_note-Horner_Goodwin-51"><span class="cite-bracket">[</span>51<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-Hieronymus_etal_52-1" class="reference"><a href="#cite_note-Hieronymus_etal-52"><span class="cite-bracket">[</span>52<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Bestandteil_des_Rumpf-Tragesystems">Bestandteil des Rumpf-Tragesystems</h3></div>
<p>Die Fortbewegung an Land erfordert einen anderen Körperbau als das Schwimmen im Wasser, da an Land der <a href="Statischer_Auftrieb" title="Statischer Auftrieb">statische Auftrieb</a> des Wassers als Gegenkraft zur <a href="Gewichtskraft" title="Gewichtskraft">Gewichtskraft</a> fehlt und sich die Angriffspunkte der stattdessen wirkenden Stützkräfte und <a href="Schubkraft" class="mw-disambig" title="Schubkraft">Schubkräfte</a> der <a href="Gliedma%C3%9Fen" class="mw-redirect" title="Gliedmaßen">Gliedmaßen</a> von denen der Gewichtskraft (siehe Lage des <a href="Massenmittelpunkt" title="Massenmittelpunkt">Körperschwerpunktes</a>) unterscheiden. Bei vierbeinigen Läufern tragen besonders die Wirbelsäule und die <a href="R%C3%BCckenmuskulatur" class="mw-redirect" title="Rückenmuskulatur">Rückenmuskulatur</a> zur Tragkonstruktion des Rumpfes, der den Bereich zwischen Vorder- und Hintergliedmaßen überwölbt, bei.
</p><p>Eine Besonderheit des Rumpf-Tragesystems der <a href="Krokodile" title="Krokodile">Krokodile</a> ist die überkreuzende Verspannung der Rückenmuskulatur zwischen den mittig gelegenen Rückenosteodermen, die mit jeweils einem Wirbel durch <a href="Knorpel" title="Knorpel">Knorpel</a> und <a href="Band_(Anatomie)" title="Band (Anatomie)">Bänder</a> (Gürtelligamente) fest verbundenen sind, und den <a href="Wirbel_(Anatomie)#Querfortsatz" title="Wirbel (Anatomie)">Querfortsätzen</a> eines anderen entfernt liegenden Wirbels.<sup id="cite_ref-Frey_1988_33-1" class="reference"><a href="#cite_note-Frey_1988-33"><span class="cite-bracket">[</span>33<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-Salisbury_Frey_34-3" class="reference"><a href="#cite_note-Salisbury_Frey-34"><span class="cite-bracket">[</span>34<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Dabei werden in einem Winkel von weniger als 10° zur Körperlängsachse circa fünf Segmente der Wirbelsäule überspannt. Diese Konstruktionsweise ermöglichte im Verlauf der Stammesgeschichte der Krokodile auch großen Vertretern den Gang an Land ohne Bodenkontakt des Bauches und spielt besonders bei Landbewohnern und <a href="Amphibisch" title="Amphibisch">amphibisch</a> lebenden Vertretern der Gruppe eine wichtige Rolle.<sup id="cite_ref-Frey_1988_33-2" class="reference"><a href="#cite_note-Frey_1988-33"><span class="cite-bracket">[</span>33<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Neben der Verankerung der Muskulatur schützt das Osteodermsystem die Wirbelsäule durch die Überlappung und Verkeilung benachbarter Osteoderme vor schädigenden Rumpfbiegungen und den dabei wirkenden <a href="Scherkraft" class="mw-redirect" title="Scherkraft">Scherbelastungen</a> und <a href="Torsion_(Mechanik)" title="Torsion (Mechanik)">Torsionsbelastungen</a>, was besonders für die anfälligeren Wirbelgelenke urtümlicher Krokodile von Bedeutung war.<sup id="cite_ref-Salisbury_Frey_34-4" class="reference"><a href="#cite_note-Salisbury_Frey-34"><span class="cite-bracket">[</span>34<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Auch für die Rücken-Osteodermserien der Chroniosuchier und der <a href="Dissorophidae" class="mw-redirect" title="Dissorophidae">Dissorophiden</a>, einer Gruppe <a href="Temnospondyli" title="Temnospondyli">temnospondyler Amphibien</a>, werden Funktionen im Zusammenhang mit der Fortbewegung an Land ähnlich denen der Krokodil-Osteoderme diskutiert.<sup id="cite_ref-Clack_Klembara_41-1" class="reference"><a href="#cite_note-Clack_Klembara-41"><span class="cite-bracket">[</span>41<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-Dilkes_2009_54-0" class="reference"><a href="#cite_note-Dilkes_2009-54"><span class="cite-bracket">[</span>54<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Erhöhung_der_Dichte_des_Körpers_bei_Wasserbewohnern"><span id="Erh.C3.B6hung_der_Dichte_des_K.C3.B6rpers_bei_Wasserbewohnern"></span>Erhöhung der Dichte des Körpers bei Wasserbewohnern</h3></div>
<p>Ebenso wie sich die Knochen des Innenskeletts in ihrer Kompaktheit unterscheiden, kann die Kompaktheit der Osteoderme, das heißt der Anteil des Knochen<a href="Volumen" title="Volumen">volumens</a> an ihrem Gesamtvolumen, in Abhängigkeit von der Lebensweise des Osteodermträgers variieren.<sup id="cite_ref-Scheyer_Sander2007_38-2" class="reference"><a href="#cite_note-Scheyer_Sander2007-38"><span class="cite-bracket">[</span>38<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-Scheyer_Sander2009_23-2" class="reference"><a href="#cite_note-Scheyer_Sander2009-23"><span class="cite-bracket">[</span>23<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-Witzmann_Soler_6-6" class="reference"><a href="#cite_note-Witzmann_Soler-6"><span class="cite-bracket">[</span>6<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Im Vergleich zu verwandten Landbewohnern zeigen Landwirbeltiere, die in höherem Maße an das Leben im Wasser angepasst sind, eine Reduzierung der Hohlräume im Inneren der Knochen (Kompaktheitszunahme durch <a href="Osteosklerose" title="Osteosklerose">Osteosklerose</a>) oder eine Verdickung des Rindengewebes durch verstärkte äußere Anlagerung von Knochengewebe (<a href="Pachyostose" title="Pachyostose">Pachyostose</a>) oder eine Kombination von beidem (Pachy-Osteosklerose).<sup id="cite_ref-Ricqles_Buffrenil2001_55-0" class="reference"><a href="#cite_note-Ricqles_Buffrenil2001-55"><span class="cite-bracket">[</span>55<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Hintergrund der höheren Kompaktheit und vermehrten Knochensubstanz bei Wasserbewohnern ist die Funktion des Skeletts als Hilfsmittel zur Erhöhung der <a href="Dichte" title="Dichte">Dichte</a> des Gesamtkörpers, das heißt, es trägt dazu bei, das Tier unter Wasser zu halten.
</p><p>Eine hohe Kompaktheit der Osteoderme, die mit der aquatischen Lebensweise in Verbindung steht, ist unter anderem bei manchen <a href="Temnospondyli" title="Temnospondyli">temnospondylen Amphibien</a>,<sup id="cite_ref-Witzmann_Soler_6-7" class="reference"><a href="#cite_note-Witzmann_Soler-6"><span class="cite-bracket">[</span>6<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> <a href="Placodontia" title="Placodontia">Placodontiern</a><sup id="cite_ref-Scheyer_2007_9-4" class="reference"><a href="#cite_note-Scheyer_2007-9"><span class="cite-bracket">[</span>9<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> und ausgestorbenen Meereskrokodilen<sup id="cite_ref-Scheyer_Sander2009_23-3" class="reference"><a href="#cite_note-Scheyer_Sander2009-23"><span class="cite-bracket">[</span>23<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> vorzufinden.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Schutz_vor_Flüssigkeitsverlust"><span id="Schutz_vor_Fl.C3.BCssigkeitsverlust"></span>Schutz vor Flüssigkeitsverlust</h3></div>
<p>Da Osteoderme den Flüssigkeitstransport durch die Haut verringern können, wurde für die Hautverknöcherungen der <a href="Froschlurche" title="Froschlurche">Froschlurche</a> in Erwägung gezogen, dass sie dem Schutz vor Austrocknung gedient haben könnten.<sup id="cite_ref-Ruibal_Shoemaker_7-4" class="reference"><a href="#cite_note-Ruibal_Shoemaker-7"><span class="cite-bracket">[</span>7<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-Lillywhite_2006_56-0" class="reference"><a href="#cite_note-Lillywhite_2006-56"><span class="cite-bracket">[</span>56<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Diese Effekte spielen jedoch allenfalls eine untergeordnete Rolle, da bei osteodermtragenden Froschlurchen im Widerspruch zum Schutz vor Flüssigkeitsverlust das Gewebe zwischen Osteodermen und Epidermis oftmals stark durchblutet ist und andere Schutzmechanismen wie die Absonderung von Hautwachs bestehen.<sup id="cite_ref-Ruibal_Shoemaker_7-5" class="reference"><a href="#cite_note-Ruibal_Shoemaker-7"><span class="cite-bracket">[</span>7<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Calcium-Reservoir">Calcium-Reservoir</h3></div>
<p>Die Ausbildung von Osteodermen aus <a href="Hydroxylapatit" title="Hydroxylapatit">Hydroxylapatit</a> bietet die Möglichkeit, zeitweiligen <a href="Calcium" title="Calcium">Calcium</a>-Mangel durch den Abbau der Osteoderm-Knochensubstanz auszugleichen, ohne auf die Substanz anderer Skelettteile zurückgreifen zu müssen. Für den wasserlebenden <a href="Temnospondyli" title="Temnospondyli">Temnospondylen</a> <i><a href="Gerrothorax" title="Gerrothorax">Gerrothorax</a></i> sind trogartige Einsenkungen an der Oberfläche der Osteoderme zu verschiedenen Zeitpunkten des Osteoderm-Wachstums belegt, die auf wiederkehrende Phasen der <a href="Resorption" title="Resorption">Resorption</a> von Knochensubstanz hindeuten. Dieser <a href="Histologie" title="Histologie">histologische Befund</a> lässt sich mit dem Lebensraum von <i>Gerrothorax</i> in Verbindung bringen: Der Temnospondyle bewohnte <a href="Brackwasser" title="Brackwasser">brackische</a> Küstengebiete, die regelmäßigen Schwankungen des <a href="Salinit%C3%A4t" title="Salinität">Salzgehaltes</a> unterworfen waren, was sich auf den Calcium-Bedarf der Tiere auswirkte.<sup id="cite_ref-Witzmann_Soler_6-8" class="reference"><a href="#cite_note-Witzmann_Soler-6"><span class="cite-bracket">[</span>6<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Studien zur Knochenhistologie von Gliedmaßenknochen und Osteodermen des heutigen <a href="Mississippi-Alligator" title="Mississippi-Alligator">Mississippi-Alligators</a> belegen, dass der Knochenumbau in den Osteodermen der Weibchen besonders ausgeprägt ist, was mit dem erhöhten Calcium-Bedarf für die Bildung der Eierschale in der Zeit vor der Eiablage in Zusammenhang steht. Zudem weicht die <a href="Stickstoff" title="Stickstoff">Stickstoff</a>- und <a href="Kohlenstoff" title="Kohlenstoff">Kohlenstoff</a><a href="Isotop" title="Isotop">isotopenzusammensetzung</a> der Osteoderm-Knochensubstanz deutlich von derjenigen der Gliedmaßenknochen und der Kohlenstoff- und Stickstoffquellen im Lebensraum der Alligatoren ab, was ebenfalls auf den häufigen Wechsel von Knochensubstanzeinlagerung und -auflösung hindeutet.<sup id="cite_ref-Klein_etal_57-0" class="reference"><a href="#cite_note-Klein_etal-57"><span class="cite-bracket">[</span>57<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Auch für ausgewachsene <a href="Titanosaurier" title="Titanosaurier">Titanosaurier</a>, deren Osteoderme keine wirksame Schutzpanzerung gebildet haben, wird eine Funktion der Osteoderme als Calcium-Reservoir erwogen.<sup id="cite_ref-da_Silva_Marinho_58-0" class="reference"><a href="#cite_note-da_Silva_Marinho-58"><span class="cite-bracket">[</span>58<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Osteoderme_als_Forschungsgegenstand">Osteoderme als Forschungsgegenstand</h2></div>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Geschichte_der_Erforschung">Geschichte der Erforschung</h3></div>
<p>Der russische <a href="Pal%C3%A4ontologe" class="mw-redirect" title="Paläontologe">Paläontologe</a> <a href="Alexei_Petrowitsch_Bystrow" title="Alexei Petrowitsch Bystrow">Alexei Petrowitsch Bystrow</a> nahm Mitte des 20. Jahrhunderts eine Vorreiterrolle in der <a href="Histologie" title="Histologie">histologischen</a> Untersuchung fossiler Skelette ein und befasste sich unter anderem mit Hautknochen früher Landwirbeltiere.<sup id="cite_ref-Bystrow_59-0" class="reference"><a href="#cite_note-Bystrow-59"><span class="cite-bracket">[</span>59<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Während vormals Osteoderme meist nur bei der Beschreibung einzelner Arten und kleinerer Gruppen Berücksichtigung fanden, folgten in den 1960er bis 1980er Jahren mehrere Forschungsarbeiten, die sich zusammenfassend den Osteodermen verschiedener heute lebender Großgruppen widmeten.<sup id="cite_ref-Moss_1969_60-0" class="reference"><a href="#cite_note-Moss_1969-60"><span class="cite-bracket">[</span>60<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-Ruibal_Shoemaker_7-6" class="reference"><a href="#cite_note-Ruibal_Shoemaker-7"><span class="cite-bracket">[</span>7<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-Frey_1988_33-3" class="reference"><a href="#cite_note-Frey_1988-33"><span class="cite-bracket">[</span>33<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Studien zur Mikrostruktur von fossilen Knochen, unter anderem die Untersuchung von Knochen-<a href="D%C3%BCnnschliff" title="Dünnschliff">Dünnschliffen</a> mit dem <a href="Polarisationsmikroskop" title="Polarisationsmikroskop">Polarisationsmikroskop</a>, wurden in den 1980er und 1990er Jahren besonders durch die Forschungstätigkeit der Arbeitsgruppe um Armand de Ricqlès wiederbelebt<sup id="cite_ref-francillon_2-6" class="reference"><a href="#cite_note-francillon-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-de_Ricqles1991_61-0" class="reference"><a href="#cite_note-de_Ricqles1991-61"><span class="cite-bracket">[</span>61<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> und gehörten in der Folgezeit zu den Standardmethoden der <a href="Pal%C3%A4obiologie" title="Paläobiologie">Paläobiologie</a>, die vielfach auch auf Osteoderme angewandt wurden. Viele Studien der 2000er Jahre widmeten sich den Osteodermen einzelner fossiler und heute lebender Gruppen und versuchten ihre Entstehung und Veränderung im Verlauf der <a href="Individualentwicklung" class="mw-redirect" title="Individualentwicklung">Individualentwicklung</a>, ihren <a href="Stammesgeschichte" class="mw-redirect" title="Stammesgeschichte">stammesgeschichtlichen Wandel</a> und ihre Funktion(en) aufzuklären. Sie führten besonders in den letzten zehn Jahren zu einem vielfältigeren Gesamtbild über die Biologie der Osteoderme.<sup id="cite_ref-Vicka_Sire_3-9" class="reference"><a href="#cite_note-Vicka_Sire-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Systematik_und_Phylogenetik">Systematik und Phylogenetik</h3></div>
<p>In manchen Gruppen ausgestorbener Osteodermträger wie den <a href="Chroniosuchia" title="Chroniosuchia">Chroniosuchiern</a>, <a href="Aetosaurier" class="mw-redirect" title="Aetosaurier">Aetosauriern</a> und <a href="Thyreophora" title="Thyreophora">schildtragenden Dinosauriern</a> gehören Osteoderm-Reihen und -Panzer zu den Skelett-Elementen, die sich im Verlauf der Evolution besonders schnell verändern und in denen sich Teilgruppen und Arten am deutlichsten voneinander unterscheiden. Daher können neue Fossilfunde dieser Gruppen aufgrund von Merkmalen der äußeren Form, der Knochengewebestruktur und der Anordnung der Osteoderme systematisch eingeordnet werden. Zudem werden Osteoderm-Merkmale dieser Gruppen für die Stammesgeschichtsforschung (<a href="Phylogenetik" title="Phylogenetik">Phylogenetik</a>), welche die Klärung der Verwandtschaftsverhältnisse und des Ablaufs der Stammesgeschichte zum Ziel hat, herangezogen.<sup id="cite_ref-Golubev_1998_30-1" class="reference"><a href="#cite_note-Golubev_1998-30"><span class="cite-bracket">[</span>30<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-Novikov_etal_19-4" class="reference"><a href="#cite_note-Novikov_etal-19"><span class="cite-bracket">[</span>19<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-Parker_2007_32-1" class="reference"><a href="#cite_note-Parker_2007-32"><span class="cite-bracket">[</span>32<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-Heckert_Lucas1999_62-0" class="reference"><a href="#cite_note-Heckert_Lucas1999-62"><span class="cite-bracket">[</span>62<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-Carpenter_2001_63-0" class="reference"><a href="#cite_note-Carpenter_2001-63"><span class="cite-bracket">[</span>63<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-Burns_2008_64-0" class="reference"><a href="#cite_note-Burns_2008-64"><span class="cite-bracket">[</span>64<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Besonders die <a href="Kladistik" title="Kladistik">stammesgeschichtlichen Analysen</a> der Aetosaurier beruhen meist in der Mehrzahl auf Merkmalen des besonders vielgestaltigen Osteodermpanzers.<sup id="cite_ref-Heckert_Lucas1999_62-1" class="reference"><a href="#cite_note-Heckert_Lucas1999-62"><span class="cite-bracket">[</span>62<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-Parker_2007_32-2" class="reference"><a href="#cite_note-Parker_2007-32"><span class="cite-bracket">[</span>32<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>In anderen Gruppen sind Osteoderm-Merkmale nur nachrangig von Bedeutung für die Erkennung von Verwandtschaftsverhältnissen, jedoch deshalb stammesgeschichtlich bedeutsam, da ihr Gestaltwandel mit einem Wandel in der Funktion einhergeht – so bei Krokodilen, deren Osteodermsystem eng mit der Funktionsweise des Bewegungsapparates in Zusammenhang steht<sup id="cite_ref-Frey_1988_33-4" class="reference"><a href="#cite_note-Frey_1988-33"><span class="cite-bracket">[</span>33<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-Salisbury_Frey_34-5" class="reference"><a href="#cite_note-Salisbury_Frey-34"><span class="cite-bracket">[</span>34<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> – und sich daher Faktoren, welche die Evolution dieser Gruppen steuern, erkennen lassen.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Entwicklungsbiologie">Entwicklungsbiologie</h3></div>
<p>Neuere Studien zur Osteoderm-<a href="Histologie" title="Histologie">Histologie</a> sowie zur Haut heute lebender Osteodermträger versuchen meist Aussagen zur Anlage, Entstehung und Veränderung der Osteoderme im Verlauf der Individualentwicklung zu treffen.<sup id="cite_ref-Main_2005_11-10" class="reference"><a href="#cite_note-Main_2005-11"><span class="cite-bracket">[</span>11<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-Vickaryous_Hall2008_12-1" class="reference"><a href="#cite_note-Vickaryous_Hall2008-12"><span class="cite-bracket">[</span>12<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-Vicka_Sire_3-10" class="reference"><a href="#cite_note-Vicka_Sire-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-Hayashi_2009_15-6" class="reference"><a href="#cite_note-Hayashi_2009-15"><span class="cite-bracket">[</span>15<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Dies ist deshalb geboten, da sich einerseits ein evolutionärer Wandel im Erscheinungsbild und in der Funktion der Osteoderme oftmals in Form von Änderungen der Bildungs- und Wachstumsvorgänge manifestiert und sich andererseits ein gemeinsamer Ursprung verschiedener Hautverknöcherungstypen anhand von Gemeinsamkeiten und Unterschieden in den Entwicklungsvorgängen belegen beziehungsweise widerlegen lässt. So konnten zum Beispiel anhand entwicklungsbiologischer Befunde die Osteoderme bestimmter ausgestorbener Reptiliengruppen als Vorläuferstrukturen des Schildkrötenpanzers ausgeschlossen werden.<sup id="cite_ref-Scheyer_2007_9-5" class="reference"><a href="#cite_note-Scheyer_2007-9"><span class="cite-bracket">[</span>9<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-Scheyer_Sander2009_23-4" class="reference"><a href="#cite_note-Scheyer_Sander2009-23"><span class="cite-bracket">[</span>23<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Im Hinblick auf das Anliegen der Aufklärung von Evolutionsprozessen unter Zuhilfenahme entwicklungsbiologischer Methoden und Daten sind Osteoderme ein typischer Forschungsgegenstand der <a href="Evolution%C3%A4re_Entwicklungsbiologie" title="Evolutionäre Entwicklungsbiologie">Evolutionären Entwicklungsbiologie</a>.
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<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literaturhinweise">Literaturhinweise</h2></div>
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<li>W. G. Joyce, S. G. Lucas, T. M. Scheyer, A. B. Heckert, A. P. Hunt: <i>A thin-shelled reptile from the Late Triassic of North America and the origin of the turtle shell.</i> In: <i>Proceedings of the Royal Society.</i> Series B 276, 2009, S. 507–513</li>
<li>N. Klein, T. M. Scheyer, T. Tütken: <i>Skeletochronology and isotopic analysis of a captive individual of </i>Alligator mississippiensis<i> Daudin, 1802.</i> In: <i>Fossil Record</i> 12, 2009, S. 121–131.</li>
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<li>T. M. Scheyer, P. M. Sander: <i>Histology of ankylosaur osteoderms: implications for systematics and function.</i> In: <i>Journal of Vertebrate Paleontology.</i> 24, 2004, S. 874–893.</li>
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<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
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<li id="cite_note-francillon-2"><span class="mw-cite-backlink">↑ <sup><a href="#cite_ref-francillon_2-0">a</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-francillon_2-1">b</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-francillon_2-2">c</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-francillon_2-3">d</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-francillon_2-4">e</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-francillon_2-5">f</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-francillon_2-6">g</a></sup></span> <span class="reference-text">H. Francillon-Vieillot, V. de Buffrénil, J. Castanet, J. Géraudie, F. J. Meunier, J.-Y. Sire, L. Zylberberg, A. de Ricqlès: <i>Microstructure and mineralization of vertebrate skeletal tissues.</i> In: J. G. Carter (Hrsg.): <i>Skeletal Biomineralization: Patterns, Process and Evolutionary Trends.</i> Van Nostrand Reinhold, New York 1990, S. 471–548.</span>
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<li id="cite_note-Witzmann_2007-4"><span class="mw-cite-backlink">↑ <sup><a href="#cite_ref-Witzmann_2007_4-0">a</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-Witzmann_2007_4-1">b</a></sup></span> <span class="reference-text">F. Witzmann: <i>The evolution of scalation patterns in temnospondyl amphibians.</i> In: <i>Zoological Journal of the Linnean Society.</i> 150, 2007. S. 815–134.</span>
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<li id="cite_note-Frey_1988-33"><span class="mw-cite-backlink">↑ <sup><a href="#cite_ref-Frey_1988_33-0">a</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-Frey_1988_33-1">b</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-Frey_1988_33-2">c</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-Frey_1988_33-3">d</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-Frey_1988_33-4">e</a></sup></span> <span class="reference-text">E. Frey: <i>Das Tragsystem der Krokodile – eine biomechanische und phylogenetische Analyse.</i> Stuttgarter Beiträge zur Naturkunde Serie A 426, 1988, S. 1–60.</span>
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<li id="cite_note-Salisbury_Frey-34"><span class="mw-cite-backlink">↑ <sup><a href="#cite_ref-Salisbury_Frey_34-0">a</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-Salisbury_Frey_34-1">b</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-Salisbury_Frey_34-2">c</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-Salisbury_Frey_34-3">d</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-Salisbury_Frey_34-4">e</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-Salisbury_Frey_34-5">f</a></sup></span> <span class="reference-text">S. W. Salisbury, E. Frey: <i>A biomechanical transformation model for the evolution of semi-spheroidal articulations between adjoining vertebral bodies in crocodilians.</i> In: G. C. Grigg, F. Seebacher, C. E. Franklin (eds.): <i>Crocodilian biology and evolution.</i> Surrey Beatty and Sons, Chipping Norton 2000, S. 85–134.</span>
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<li id="cite_note-Hayashi_2010-35"><span class="mw-cite-backlink">↑ <sup><a href="#cite_ref-Hayashi_2010_35-0">a</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-Hayashi_2010_35-1">b</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-Hayashi_2010_35-2">c</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-Hayashi_2010_35-3">d</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-Hayashi_2010_35-4">e</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-Hayashi_2010_35-5">f</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-Hayashi_2010_35-6">g</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-Hayashi_2010_35-7">h</a></sup></span> <span class="reference-text">S. Hayashi, K. Carpenter, T. M. Scheyer, M. Watabe, D. Suzuki: <i>Function and evolution of ankylosaur dermal armor.</i> In: <i>Acta Palaeontologica Polonica.</i> 55, 2010, S. 213–228.</span>
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<li id="cite_note-Scheyer_Sander2007-38"><span class="mw-cite-backlink">↑ <sup><a href="#cite_ref-Scheyer_Sander2007_38-0">a</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-Scheyer_Sander2007_38-1">b</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-Scheyer_Sander2007_38-2">c</a></sup></span> <span class="reference-text">T. M Scheyer, P. M. Sander: <i>Terrestrial paleoecology for basal turtles indicated by shell bone histology.</i> In: <i>Proceedings of the Royal Society.</i> Series B 274, 2008, S. 1885–1893.</span>
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<li id="cite_note-Li_2008-39"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-Li_2008_39-0">↑</a></span> <span class="reference-text">C. Li, X.-C. Wu, O. Rieppel, L.-T. Wang, L.-J. Zhao: <i>An ancestral turtle from the Late Triassic of southwestern China.</i> In: <i>Nature.</i> 456, 2008. S. 497–501.</span>
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<li id="cite_note-Reisz_Head2008-40"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-Reisz_Head2008_40-0">↑</a></span> <span class="reference-text">R. R. Reisz, J. J. Head: <i>Turtle origins out to sea.</i> In: <i>Nature.</i> 456, 2008, S. 450–451.</span>
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<li id="cite_note-Clack_Klembara-41"><span class="mw-cite-backlink">↑ <sup><a href="#cite_ref-Clack_Klembara_41-0">a</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-Clack_Klembara_41-1">b</a></sup></span> <span class="reference-text">J. A. Clack, J. Klembara: <i>An articulated specimen of </i>Chroniosaurus dongusensis<i>, and the morphology and relationships of the chroniosuchids.</i> In: <i>Special Papers in Palaeontology.</i> 81, 2009, S. 15–42.</span>
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<li id="cite_note-Vicka_Hall2006-43"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-Vicka_Hall2006_43-0">↑</a></span> <span class="reference-text">M. K. Vickaryous, B. K. Hall BK: <i>Osteoderm morphology and development in the Nine-Banded Armadillo, </i>Dasyceps novemcinctus<i> (Mammalia, Xenarthra, Cingulata).</i> In: <i>Journal of Morphology.</i> 267, 2006, S. 1273–1283.</span>
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<li id="cite_note-Zhang_1988-44"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-Zhang_1988_44-0">↑</a></span> <span class="reference-text">Y. Zhang: <i>The Middle Jurassic dinosaur fauna from Dashanpu, Zigong, Sichuan. Volume I: Sauropod dinosaur (I). Shunosaurus</i>. Sichuan Publishing House of Science and Technology, Chengdu 1988.</span>
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<li id="cite_note-Arbour_2009-47"><span class="mw-cite-backlink">↑ <sup><a href="#cite_ref-Arbour_2009_47-0">a</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-Arbour_2009_47-1">b</a></sup></span> <span class="reference-text">V. M. Arbour: <i>Estimating impact forces of tail club strikes by ankylosaurid dinosaurs.</i> In: <i>PLoS ONE.</i> 4(8), 2009, e6738. <a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2726940/">PMC 2726940</a> (freier Volltext)</span>
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<li id="cite_note-Buffrenil_1986-48"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-Buffrenil_1986_48-0">↑</a></span> <span class="reference-text">V. de. Buffrénil, J. O. Farlow, A. de Ricqlès: <i>Growth and function of </i>Stegosaurus<i> plates: evidence from bone histology.</i> In: <i>Paleobiology.</i> 12, 1986, S. 459–473.</span>
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<li id="cite_note-da_Silva_Marinho-58"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-da_Silva_Marinho_58-0">↑</a></span> <span class="reference-text">T. da Silva Marinho: <i>Functional aspects of titanosaur osteoderms.</i> Nature Precedings, 2007.</span>
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<li id="cite_note-Bystrow-59"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-Bystrow_59-0">↑</a></span> <span class="reference-text">siehe Auflistung der Werke im Artikel <a href="Alexei_Petrowitsch_Bystrow" title="Alexei Petrowitsch Bystrow">Alexei Petrowitsch Bystrow</a></span>
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<li id="cite_note-Moss_1969-60"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-Moss_1969_60-0">↑</a></span> <span class="reference-text">M. L. Moss: <i>Comparative histology of dermal sclerifications in reptiles.</i> In: <i>Acta Anatomica</i> 73, 1969, S. 510–533.</span>
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<li id="cite_note-de_Ricqles1991-61"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-de_Ricqles1991_61-0">↑</a></span> <span class="reference-text">A. de Ricqlès, F. J. Meunier, J. Castanet, H. Francillon-Vieillot: <i>Comparative microstructure of bone.</i> In: B. K. Hall (Hrsg.): <i>Bone. vol. 3. Bone matrix and bone specific products.</i> CRC Press, Boca Raton, 1991, S. 1–78.</span>
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<li id="cite_note-Heckert_Lucas1999-62"><span class="mw-cite-backlink">↑ <sup><a href="#cite_ref-Heckert_Lucas1999_62-0">a</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-Heckert_Lucas1999_62-1">b</a></sup></span> <span class="reference-text">A. B. Heckert, S. G. Lucas: <i>A new aetosaur from the Upper Triassic of Texas and phylogeny of aetosaurs.</i> In: <i>Journal of Vertebrate Paleontology</i> 19, 1999, S. 50–68.</span>
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<li id="cite_note-Carpenter_2001-63"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-Carpenter_2001_63-0">↑</a></span> <span class="reference-text">K. Carpenter: <i>Phylogenetic analysis of the Ankylosauria.</i> In: K. Carpenter (Hrsg.): <i>The Armored Dinosaurs.</i> Indiana University Press, Bloomington & Indianapolis, 2001, S. 455–483.</span>
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<li id="cite_note-Burns_2008-64"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-Burns_2008_64-0">↑</a></span> <span class="reference-text">M. E. Burns: <i>Taxonomic utility of ankylosaur (Dinosauria, Ornithischia) osteoderms: </i>Glyptodontopelta mimus<i> FORD, 2000: a test case.</i> In: <i>Journal of Vertebrate Paleontology</i> 28, 2008, S. 1102–1109.</span>
</li>
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